Literatur und Musik

Von Rüdiger Bernhardt
|    Ausgabe vom 23. August 2019

Seinen „unbegreiflichen Achtzigsten“, so Rudolf Scholz selbst, hatte er am 29. Januar 2019 gefeiert, geboren wurde er in Plagwitz, Kreis Löwenberg (heute in Polen). In „Die Schwalben der Kindheit“ (2000) beschrieb er den Verlust der Heimat und ließ keinen Zweifel, dass deutsche Verbrechen der Grund dafür waren. Am 10. August 2019 starb Rudolf Scholz in Dresden, dem er viele Gedichte (wie seine „Dresdner Elegien“) gewidmet hatte.
Seine erfolgreichen Romane waren ohne Musik meist nicht zu denken, sie war seine „zweite Leidenschaft“, wie er in einem Brief schrieb. Bereits sein Roman „Damals in Belvedere“ (1978), der sich an Hermann Kants „Die Aula“ und Erwin Strittmatters „Tinko“ anlehnte, erzählte vom Musikstudenten Gunther Gura. Louis Fürnberg, der Einfluss auf Scholz hatte, erschien in dem Roman als Kassner. In dem Schelmenroman „Mein lieber Herr Gesangverein“ (1998) – für den das Sonett „Männerchor“ der Ausgangspunkt war – wurde an einem Männerchor deutsche Geschichte abgehandelt, vorgestellt aus klarer politischer Haltung, an der er keinen Zweifel ließ. Zerstörungen, die durch die Wende massenhaft eintraten, wurden satirisch beschrieben. Doch wurde deutlich: Hart litten die einfachen Leute, vor allem die, die ihre Prinzipien nicht preiszugeben bereit waren. Auch Volkskunst wie der Gesangverein wurde vernichtet. Scholz bemühte sich 20 Jahre, in einer Schreibwerkstatt bewährte Traditionen der schreibenden Arbeiter fortzuführen. Seine zahlreichen Bücher nutzten zumeist die Biografie ihres Schöpfers: Er besuchte die Zeichenschule in Meißen, die Musikschule in Weimar und nach einem Pädagogikstudium in Radebeul und Berlin arbeitete er als Musiklehrer. Scholz benötigte keine literarischen Heroen: Menschen aus einfachen Verhältnissen handeln bewusst, bestärkt vom Wunsch nach Bildung und Kunst. Nach der Wende wurde „und geh nicht ohne gruß“ (2005) zu einem wichtigen Buch, weil es sich den 1989 geschädigten und gedemütigten Menschen widmete.


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Leserbrief zu Artikel »Literatur und Musik«, UZ vom 23. August 2019





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