Hauptstadt befestigt

GSG9-Einheiten ziehen nach Berlin
Von Markus Bernhardt
|    Ausgabe vom 19. Juli 2019
Die GSG9 in ihren Anfängen: Ausbildung 1978 (Foto: [url=https://de.wikipedia.org/wiki/GSG_9_der_Bundespolizei#/media/Datei:Bundesarchiv_B_145_Bild-F054220-0024,_Bundesgrenzschutz,_GSG_9.jpg]Bundesarchiv / Wikimedia Commons[/url])
Die GSG9 in ihren Anfängen: Ausbildung 1978 (Foto: Bundesarchiv / Wikimedia Commons / Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

Mit der Stationierung der sogenannten Eliteeinheit der Bundespolizei, der GSG9, erreicht die Militarisierung der Innenpolitik einen weiteren Höhepunkt. Das Hauptquartier der Sondereinheit bleibe zwar in Sankt Augustin bei Bonn, jedoch habe die Bundespolizei mit der dauerhaften Stationierung von Kräften in Berlin auf die Entwicklung der Sicherheitslage in den vergangenen Jahren reagiert. Islamistische Terroranschläge in verschiedenen europäischen Hauptstädten hätten zur Entscheidung geführt. Jedoch soll das Sondereinsatzkommando künftig auch gegen organisierte Kriminalität eingesetzt werden können. Der Präsident der Bundespolizei-Direktion Spezialkräfte, Olaf Lindner, twitterte: „Dies ist eine weitere Stärkung der Krisen- und Reaktionsfähigkeit der Bundespolizei bei der Bekämpfung schwerer Gewaltkriminalität und Terrorismus in der Hauptstadtregion.“
Die GSG9, die fortan in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Berlin-Spandau stationiert sein soll, wurde bereits am 26. September 1972 von Ulrich Wegener gegründet. Zweifelhaften Ruhm errang die Einheit im Herbst 1977. Damals stürmte die Einheit die von palästinensischen Aktivisten entführte „Landshut“-Maschine. Auch bei der Festnahme der RAF-Mitglieder Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams 1993 auf dem Bahnhof in Bad Kleinen war die besagte Einheit im Einsatz. Damals kam es zu Feuergefechten zwischen den GSG9-Beamten und den RAF-Mitgliedern. Während Politik und Polizei noch heutzutage behaupten, dass Wolfgang Grams sich selbst erschossen habe, gelten seine genauen Todesumstände vielen Linken noch immer als ungeklärt. So existieren noch heute Hinweise darauf, dass Grams von den Beamten exekutiert worden sei.
Die Spezialeinheit war zudem auch in Auslandseinsätze verstrickt. So kamen bei einem angeblichen Personenschutzeinsatz im Irak 2004 in der Nähe von Falludscha zwei GSG9-Beamte ums Leben. Genaueres ist aufgrund der hohen Geheimhaltung der Einsatzgeschehen in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Tatsächlich wird um die besagte Einheit seit jeher ein Geheimnis gemacht. So soll auch aktuell nicht bekannt gegeben werden, wie viele Kräfte genau in Berlin stationiert werden und welche Aufgaben die Beamten wahrnehmen werden. Medienberichten zufolge, ist bis dato einzig bekannt, dass die Kräfte zukünftig um rund ein Drittel aufgestockt werden sollen. Wie Medien berichteten, soll die Größe der GSG9 in Sicherheitskreisen auf 400 Mann beziffert werden. Die Einheit komme rund 50 bis 60 Mal im Jahr zum Einsatz, heißt es auf der Internetseite der Bundespolizei. „Herausragende Einsätze in den vergangenen Jahren waren die Festnahme ausländischer Spione in der Bundesrepublik Deutschland, die Festnahme eines ranghohen Mitglieds der deutschen Rockerszene und die Festnahme des Attentäters auf den Mannschaftsbus des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund“, heißt es dort außerdem.
Zudem sei die GSG 9 unter anderem im Zuge der Gefahrenabwehr sowie bei Anschlussmaßnahmen im weiteren Ermittlungsverfahren bei dem Amoklauf in München und dem Terroranschlag in Berlin eingesetzt worden.


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