Vorstand nicht entlastet

Proteste auf Bayer-Hauptversammlung
Von Markus Bernhardt
|    Ausgabe vom 3. Mai 2019
Der Proteste vor der Hauptversammlung der Bayer-AG in Bonn am 26. April vereinigte Umweltschützer, Konzernkritiker und auch Schüler der „Fridays for future“-Bewegung. (Foto: Hans-Dieter Hey / r-mediabase.eu)
Der Proteste vor der Hauptversammlung der Bayer-AG in Bonn am 26. April vereinigte Umweltschützer, Konzernkritiker und auch Schüler der „Fridays for future“-Bewegung. (Foto: Hans-Dieter Hey / r-mediabase.eu)

Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte ist ein Vorstand eines deutschen Dax-Konzerns nicht entlastet worden. Auf der Hauptversammlung des Bayer-Konzerns, die am 26. April in Bonn stattfand, votierte die Mehrheit der Stimmberechtigten gegen die Entlastung des Vorstandes, darunter Vertreter der DWS (Fondstochter der Deutschen Bank), der Investmentgesellschaft der Sparkassen Deka und der Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Dies hat zwar keinerlei juristische Konsequenzen, gilt jedoch als schallende symbolische Ohrfeige.
Bereits im Vorfeld der Hauptversammlung hatte sich abgezeichnet, dass eine Reihe von Themen für Unzufriedenheit unter den Kleinaktionären, aber auch Kritikern der Produktpalette des Konzerns sorgen würden. Allen voran hatte die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) zu Protesten vor der Hauptversammlung des Konzerns aufgerufen. Mehrere Hundert Menschen aus der Klimaschutz- und Umweltbewegung, der DKP und der Linkspartei, erstmalig auch über 500 Anhänger der Schülerbewegung „Fridays for Future“, waren dem Aufruf gefolgt und machten ihrem Ärger über die Politik des Großkonzerns lautstark Luft. Sie skandierten unter anderem „Kein Glyphosat auf unsern Salat“. Auch ehemalige Heimkinder, an denen der Konzern ohne deren Zustimmung von 1955 bis 1978 Arzneimittelstudien hatte durchführen lassen, beteiligten sich an den Protesten.
Die Gewerkschaften trauen sich nicht, sich mit dem Vorstand anzulegen und segnen sozialpartnerschaftlich noch die massenhafteste Arbeitsplatzvernichtung ab“, kritisierte die Coordination gegen Bayer-Gefahren. Beschäftigte fürchteten, aufgrund der Fusionspolitik des Vorstandes ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Und dies keineswegs ohne Grund. Über 11 000 Glyphosat-Opfer in den USA wollen schließlich noch entschädigt werden. Und das mit Recht. Doch die Konzernspitze denkt nicht daran, die Rechnung selbst zu begleichen für das Festmahl, an dem sie sich verschluckt hat. Zahlen sollen nun die einfachen Angestellten.
Nach Meinung der CBG habe Bayer der Teufel geritten, als der Konzern sich die „Worldwide Worst Company“, den US-amerikanischen Monsanto-Konzern, einverleibte.
Marius Stelzmann, Geschäftsführer der CBG kritisierte: „Die Blicke des Bayer-Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Wenning und seines Adlatus, dem Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann, waren einzig auf die sprudelnde Profit-Quelle des Monsanto-Pestizids Glyphosat gerichtet. Dass Monsanto der einzige Konzern der Welt ist, dem bereits seit Jahrzehnten ein eigener weltweiter Protest-Tag gewidmet ist, an dem Jahr für Jahr Hunderte von „Marches Against Monsanto“ stattfinden, wurde mit der Arroganz des Kapitals schlichtweg als Quatsch abgetan“, erinnerte Stelzmann außerdem.
Auch in der Halle tobte die Auseinandersetzung zwischen Vorstandsgetreuen und Kritikern. Großaktionäre befürchten die Ausweitung der Klagewelle in den USA, der Aktienkurs ist bereits um 40 Prozent gesunken. Die weiteren Risiken seien nicht mehr kalkulierbar.
400 Kleinaktionäre hatten ihre Aktienstimmrechte der CBG übertragen. Jan Pehrke, Vorstandsmitglied der CBG, nutzte sein Fragerecht an den Vorstand und erläuterte die Zusammenhänge zwischen Arbeitsplatzvernichtung und Umweltzerstörung. Insgesamt ergriffen, Informationen der CBG zufolge, 34 Konzern-Kritikerinnen und -kritiker das Wort und stellten somit die Hälfte aller Rednerinnen und Redner.
Axel Köhler-Schnura, Gründungsmitglied der CBG kritisierte, im Nachgang an die erfolgreichen Proteste, dass „Glyphosat-Baumann und sein Mentor, Aufsichtsratschef Wenning, weiterhin nur den Profit im Blick“ hätten und „ihren Konfrontationskurs gegen Mensch und Umwelt beibehalten“ würden. „Es wird höchste Zeit, dass Bayer vergesellschaftet wird, wie es die Verfassung von NRW zum Wohle der Menschen vorsieht“, so Köhler-Schnura weiter.
„Bereits am 18. Mai wird die Zivilgesellschaft sich in der Tradition der Monsanto-Proteste mit ‚Märschen gegen Bayer‘ erneut zu Wort melden. Bayer hat sich mit Ignoranz, Profitgier und verbrecherischer Sturheit den Platz als ‚Schmutzigster Konzern weltweit‘ und damit den Zorn der Bevölkerungen der Welt bestens gesichert“, konstatierte CBG-Geschäftsführer Marius Stelzmann.


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Leserbrief zu Artikel »Vorstand nicht entlastet«, UZ vom 3. Mai 2019





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