Polens friedlicher Nachbar

Von Walter Hilbig, per E-Mail
|    Ausgabe vom 7. Dezember 2018

Zur Friedenspolitik der DDR gehörte unbedingt die Anerkennung der Nachkriegsgrenzen gemäß dem Potsdamer Abkommen. Das konnte man von der Bundesrepublik nicht sagen. Im Bonner Staat standen Gebietsforderungen an Polen nicht nur formal auf dem Papier, sie wurden auch tagtäglich in die Köpfe der Bürger eingeimpft. In der „Tagesschau“ des westdeutschen Fernsehens sahen die Zuschauer das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937. Die sogenannten Landsmannschaften nährten die Hoffnung, ihre Mitglieder würden irgendwann ihre Heimat wiedersehen. Die Gebiete seien ewig deutsch und man habe sie „uns“ unrechtmäßig abgenommen.
Bei den Weltfestspielen 1955 in Warschau wurde den westdeutschen Teilnehmern von den Polen auf den Zahn gefühlt: „Wie steht ihr zu der Oder-Neiße-Linie?“ Wer sich da nicht einigermaßen mit der Geschichte befasst hatte, sah dumm aus. Das sozialistische Polen hatte zum ersten Mal in seiner Geschichte im Westen einen friedlichen Nachbarn, nämlich die DDR. Die Bundesrepublik hat seine östlichen Grenzen erst nach der Wende im 2+4-Vertrag anerkannt.


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