Stellvertreterkrieg

Manfred Idler zur Schlacht um Hodeidah
|    Ausgabe vom 22. Juni 2018

Der Begriff „Völkermord“ ist charakterisiert durch die Absicht, eine „nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“. Von Anfang an erfüllte die Art, wie die saudi-arabisch geführte Koalition den Krieg im Jemen führt, dieses Kriterium. Jetzt folgt die Steigerung: Die Offensive der Militärallianz aus saudischen Truppen, Einheiten aus den Emiraten und Söldnern auf die jemenitische Hafenstadt Hodeidah ist der Schritt von der humanitären Katastrophe zur Massenvernichtung.
Hodeidah ist der letzte Engpass, über den noch eine wenn auch unzureichende Versorgung für die Bevölkerung der von der Huthi-Kriegspartei gehaltenen Gebiete möglich ist. Mindestens acht Millionen Menschen sind damit unmittelbar vom Hungertod bedroht. In Hodeidah selbst sind die 600000 Einwohner den Straßenkämpfen, den Bombardements aus der Luft und aus Schiffsgeschützen ausgeliefert.
Schweden hat am 14. Juni im UN-Sicherheitsrat beantragt, die Kampfhandlungen einzustellen, um der Huthi-Armee den Rückzug zu ermöglichen und so die Zivilbevölkerung der Stadt zu schützen. Die Sitzung des UN-Gremiums war geschlossen, so ist nicht zu erfahren, wie die Vertreter welcher Länder den gutgemeinten Antrag niedergestimmt haben. Doch da die drei ständigen Sicherheitsratsmitglieder USA, Britannien und Frankreich zu den Ausrüstern und Unterstützern der saudischen Soldateska zählen, ist wohl klar, wer den humanitären Vorstoß Schwedens blockiert hat. Auch wenn sie diesmal nicht sichtbar selbst am Schlachten beteiligt sind, sind es die üblichen Vorkämpfer für „Demokratie und Menschenrechte“.


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