Verteidigt Syrien

Manfred Ziegler zu Aufgaben der Friedensbewegung
|    Ausgabe vom 1. September 2017

Manchmal geht ein Raunen durch die Reihen der Friedensbewegung und der Linken. Wenn ein Angriff der USA droht – oder tatsächlich durchgeführt wird. Dann erinnern wir uns an das Völkerrecht und warnen vor Angriffen.
Aber den alltäglichen Waffenlieferungen, der Unterstützung für Dschihadisten jeglicher Couleur, sofern sie nicht gerade den IS bilden, sehen wir teilnahmslos zu.
Das Thema Syrien wird häufig nur mit spitzen Fingern angefasst. Der wissenschaftliche Beirat von Attac fordert in einer klugen Analyse, dass man „Assad“ nicht von einer Übergangsregierung ausschließen könne. Aber müssten nicht viel mehr die anderen Seiten darlegen, wieso sie Teil einer Übergangsregierung sein sollten? Darunter sind schließlich bewaffnete Gruppen, die immer wieder mit al-Nusra und dem IS zusammenarbeiten und über die man eines ganz klar sagen kann: In Europa könnten sie nicht legal agieren, geschweige denn an einer Regierung beteiligt werden.
So sind es nur wir Schmuddelkinder, die sagen: Syrien wird angegriffen – verteidigt Syrien und seine Regierung gegen die Dschihadisten, die im Dienste des Imperialismus agieren.
Also geh‘ lieber in die Oberstadt, wo Christine Buchholz und „Adopt a Revolution“ von einer Zivilgesellschaft zum Beispiel in Aleppo träumten, die von der syrischen und russischen Armee vernichtet würde. Nur seltsam: sowie die Weißhelme und Dschihadisten aus Aleppo vertrieben waren, konnte die Bevölkerung zu zehntausenden in die angebliche Hölle des „Regimes“ zurückkehren.
Und dann gibt es noch diesen dritten Weg. Wer den Angriff des Westens wahrnahm, aber – mein Gott, der Diktator! – Syrien nicht unterstützen konnte und doch nicht untätig bleiben wollte, der stürzte sich auf die Solidarität mit Rojava.
Heute sind die mehr oder weniger kurdischen SDF die engsten Verbündeten der USA. Die USA haben die Region für ihre hegemonialen Interessen in Schutt und Asche gebombt. Nun sollen sie Syrien in blühende Landschaften verwandeln? Dieser dritte Weg ist der wirkliche Highway to Hell.
Der Antikriegstag erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Auch dieser Krieg begann mit einer Lüge. Im Krieg gegen Syrien werden ungezählte Lügen verbreitet, von Weißhelmen und Medien, über Chemiewaffen und die Bombardierung von Zivilisten. Über das „Regime“.
So viel sollten wir aus der Geschichte lernen, dass wir diese Lügen nicht mehr unwidersprochen hinnehmen.


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Leserbrief zu Artikel »Verteidigt Syrien«, UZ vom 1. September 2017





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