Der rote Kanal

|    Ausgabe vom 7. Juli 2017

Gipfel auf allen Kanälen
Ein gefundenes Fressen für aufgeregten Journalismus: Der G20-Gipfel in Hamburg wird mit „Brennpunkten“, Sondersendungen und Talkrunden tagelang reichlich angeboten. Ob die Demonstrationen mit ihren Forderungen ins Bild kommen, ist eher fraglich, lieber wird man uns Prügelorgien, Feuer und Rauch und schöne neue Gerätschaften der Polizei vorführen.
Ab Fr., 7.7., ab 20.15 Uhr, ARD


Ladies Night – Best of
Die überwiegend männlichen Akteure der Kabarett-Sendungen „Die Anstalt“ und vom Comedy-Flügel „Heute Show“ haben den Sommer über „witzefrei“, die Frauen müssen trotzdem ran: Gastgeberin Gerburg Jahnke feiert das zehnjährige Jubiläum der Show im Kölner Gloria Theater mit Nessi Tausendschön, Lisa Eckhart, Christin Henkel, Ingrid Kühne.
Fr, 7.7., 20:15 Uhr, one


Captain America: The First Avenger
Passend zu dem, was in diesen Tagen aus Hamburg kommt: In ganz Europa tobt der Zweite Weltkrieg und richtet unendliche Verwüstung an. Der junge Steven Rogers (Chris Evans) ist fest entschlossen, sein Land im Kampf um Frieden und Freiheit zu unterstützen, doch seine Körperkraft reicht für den gefährlichen Kriegseinsatz nicht aus. Unbeirrt stellt er sich nach seiner Ausmusterung für eine mysteriöse Versuchsreihe zur Verfügung: Das „Super-Soldier“-Programm macht aus dem unscheinbaren Mann eine unschlagbare menschliche Waffe – Captain America ist geboren. Trump, Erdogan und andere zählen die Serie sicherlich zu ihren Lieblingen. Vielleicht lässt man die Glotze an diesem Abend einfach aus.
Fr., 7.7., 20.15 Uhr, pro sieben


Der Gott des Gemetzels
Roman Polanski hat das Theater-Stück von Yasmina Reza mit vier Großschauspielern des Kinos inszeniert, und das gibt dem Kampf aller gegen alle eine zusätzliche Dimension von Wutlust und Entfesselung: Drei Oscarpreisträger (Kate Winslet, Jodie Foster, Christoph Waltz) und ein langjähriger Oscarkandidat (John C. Reilly) stehen sich gegenüber wie Finalisten eines Turniers. Polanskis Film lebt vom besten Theaterhandwerk; er braucht nicht mehr als vier Spieler, die einander langsam aber sicher in den Wahnsinn treiben. Man sieht sie, und man denkt: Welches Wunder ist jeder friedliche Tag, wo doch schon das Zusammensein von vier Menschen völlig unmöglich ist, ein Abenteuer mit fatalem Ausgang. Es lohnt sich, aufzubleiben.
Sa., 8.7., 00.45 Uhr, ARD


O. J. Simpson: Made in America
Die Dok-Serie beleuchtet über O. J. Simpsons Lebensweg hinaus das Verhältnis zwischen schwarzer und weißer Community und all das, was in diesem Verhältnis in den vergangenen Jahrzehnten schief lief. Von auch heute noch bedrückender Intensität sind beispielsweise die Szenen, in denen sich der Film mit der Misshandlung Rodney Kings auseinandersetzt: Alle vier weißen Polizisten wurden damals freigesprochen, wochenlange Krawalle mit mehr als 50 Toten waren die Folge. Es ist ebenso der Beginn eines Kapitels der amerikanischen Geschichte, der die Realitäten von Rasse, Macht, dem amerikanischen Justizsystem und der Medien offenlegt.
Sa., 8.7., 20.15 Uhr, arte


Waterworld
Jaja, Trump kommt nach Hamburg. Der Mann, der aus dem Klima aussteigen will, wir haben es verstanden. Kevin Costner wusste schon Mitte der 1990er: Das Klima wandelt, das Wasser steigt, das Hauen und Stechen, Leben und Lieben finden nun auf Booten statt. Es ist und bleibt ein mieser Streifen von 1995. Merkel war damals Umweltministerin. So stellen sich Programm-Direktoren einen engagierten Beitrag zum G20-Gipfel vor.
So, 9.7., 00:50 Uhr, ZDF


Restrisiko
Oberstes Ziel im Maßregelvollzug ist Sicherung und Therapie. Denn im Gegensatz zum Justizvollzug ist für die Straftäter die Unterbringung in der Forensischen Psychiatrie immer unbefristet. Der Dokumentarfilm taucht ein in eine fremde Welt, die uns sonst verschlossen bleibt. In ihr leben Menschen, die auf den ersten Blick nicht krankhaft, böse oder triebgesteuert wirken. Im Gegenteil. Sie sind ausgesprochen höflich, äußerst zuvorkommend. Und doch sind sie gefährlich, manchmal überdurchschnittlich intelligent und äußerst manipulativ. Für ihre filmische Auseinandersetzung mit psychisch kranken Tätern im Maßregelvollzug wurden Autorin und Regisseurin Katrin Bühlig sowie Produzentin Dagmar Biller mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet.
Mo, 10.7., 22.25 Uhr, 3sat


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Leserbrief zu »Der rote Kanal«, UZ vom 7. Juli 2017





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