Nassforsch und ironisch

Von Ursula Möllenberg, Gelsenkirchen
|    Ausgabe vom 23. Juni 2017

Sehr schön, dass die UZ diesem wichtigen Themenschwerpunkt in der Zeitschrift Z eine Heftbesprechung widmet. Vielleicht wäre eine Besprechung durch eine kompetente Frau besser gewesen, die dann möglicherweise auch behutsamer und informativer gewesen wäre.
Hier einige Kritikpunkte: „Die Mechanisierung der Privathaushalte dürfte die entscheidende Rolle für die erst ab den 1970er Jahren zunehmende Erwerbstätigenquote der Frauen in der BRD gespielt haben“. Hier ist zu widersprechen; die DDR-Haushalte waren viel weniger mechanisiert und hier setzte eine umfassende Frauenberufstätigkeit nicht nur weit früher ein, sondern war auch viel höher. Eine größere Rolle hat wohl das der BRD zugrundeliegende korporatistische Modell mit „Ernährerlöhnen“ für Männer und der entsprechenden ideologischen Begleitung und Fernhaltung der Frauen vom Arbeitsmarkt gespielt.
Das Ärgerlichste in der Rezension ist für mich, wie der Beitrag der für die Frauenerwerbsforschung bedeutenden Soziologin C. Wichterich mit der vielversprechenden Überschrift „Neoliberale Erwerbsmärkte, Womenomics und Geschlechterverhältnisse“ vorgestellt wird; schon gut, dass wenigstens Titel und eine wichtige Schlussfolgerung daraus zitiert werden. Aber inhaltlich geht der Autor nicht darauf ein, sondern nassforsch und ironisch darüber hinweg. Schade. Es wäre notwendig, dass so ein wichtiges Themenheft so rezensiert würde, dass die interessierte Leserin (bzw. der Leser) nicht nur einen oberflächlichen Überblick über die Themenpalette erhält.


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