Die Macht und ihr Preis

Klaus Wagener über den ehemaligen US-Präsidenten Obama
|    Ausgabe vom 20. Januar 2017

Nein, es sieht nicht so aus, als ob Donald Trump so bald die Herzen der US-Geheimdienste und der Mainstream-Medien erobern könnte. CIA-Direktor John Brennan habe Trump ob seiner Twitter-Nachrichten „abgewatscht“, jubelt der Spiegel. Der künftige Chef im Weißen Haus gilt Brennan ohnehin als eine Art unfreiwilliger russischer Einfluss-Agent, der bei einer „Golddusche“, verabreicht durch russische Prostituierte, vom russischen Geheimdienst FSB beobachtet und mit diesem „Kompromat“ zu einem willigen Werkzeug in der Hand des finsteren Puppenspielers Wladimir Putin gemacht worden sei. Trump solle aufpassen, was er sagt, meinte Brennan. Der gewählte Präsident der USA ist für die CIA und die von ihr nicht unwesentlich gesteuerten Medien ein Sicherheitsrisiko. Trump habe nicht begriffen, welche Bedrohung Russland für die USA darstelle. Was die persönliche Sicherheitslage des künftigen Präsidenten nicht gerade erhöhen dürfte, auch wenn Trump nun vorsichtshalber den CIA-Spitzenmann gegen eigenes Personal austauschen wird.
Wie anders doch Barack Obama. Bei seiner Abschiedsrede wurde er, und natürlich auch die ihn bejubelnde Cheerleaderpresse, von Glanz und Glorie der eigenen Story schier überwältigt: Was bin ich doch für ein toffter Typ. Acht Jahre Obama – eine einzige Erfolgsgeschichte.
Was kümmern da schon die 5 Millionen aus ihren Häusern vertriebenen US-Familien, die 46 Millionen US-Bürger, die von Lebensmittelmarken leben, die allein in 2016 von einer rassistischen Polizei mehr als Tausend Erschossenen, die in Sinn- und Perspektivlosigkeit zerfallende Gesellschaft? Hauptsache die Wall Street brummt.
Oder das zerstörte Afghanistan, der zerstörte Irak, das zerstörte Libyen, das zerstörte Syrien, der Krieg in der Ukraine, die strategische Aufrüstung des islamischen Fundamentalismus, die Hunderttausenden Toten, Verwundeten, Millionen um jede Perspektive Gebrachten, die 60 Millionen Flüchtlinge? Und vor allem die strategische Konfrontation gegen Russland und China? Der Friedensnobelpreisträger ist per Definition der gute Gute. Ein würdiger Vertreter des US-amerikanischen Exzeptionalismus, der sich seit jeher berufen fühlt, das Heil in die Welt zu bomben. „R2P“, responsible to protect, (Verantwortung zum Schutz) heißt die neueste Variante. 26000 Bomben auf sieben Staaten allein in 2016. Da sind die Tausenden „extralegalen“ Drohnen-Morde (eine originäre Obama-Spezialität) und die Opfer der zahlreichen geheimen Killertrupps noch garnicht mitgezählt. Und von Guantanamo redet eh keiner mehr. Goodbye, Mr. Obama, Du warst schon ein Super-Typ.


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Leserbrief zu Artikel »Die Macht und ihr Preis«, UZ vom 20. Januar 2017





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