Ein komischer Terrorist

Klara Bina über den Fall Al-Bakr
|    Ausgabe vom 21. Oktober 2016

Jetzt wissen wir es: Der so genannte Islamische Staat ist nicht eine hoch professionelle, fürchterlich gut organisierte Terrororganisation, sondern eine Ansammlung von Amateuren und Idioten. Und wir wissen noch mehr: Der US-Auslandsgeheimdienst CIA leistet ganze Arbeit in der BRD – er hört IS-Verbindungsleute ab und beobachtet sie, er überwacht das Internet. Die CIA war es also, die Al-Bakrs Telefonat mit dem IS-Verbindungsmann in Deutschland via Telefonüberwachung sagen hörte, die zwei Kilo Sprengstoff seien nun fertiggestellt. Der IS-Mann: „Diesmal sollen es aber nicht Züge sein, sondern besser ein Flughafen.“ Kino ist wahrscheinlich nicht halal, sonst hätten auch diese beiden Terroristen den Film „Snowden“ geschaut und gewusst: Dein Telefon wird abgehört, Mann! Kurze Zeit vorher soll die CIA die deutschen Behörden darüber informiert haben, dass da „irgendjemand im Internet nach Bauanleitungen für Sprengstoff suche“. Was soll eigentlich Al-Bakr dann in einem IS-Trainingscamp in Syrien oder Irak, wo er vor kurzem gewesen sein soll, gemacht haben? Sprengstoffbauanleitungen musste er ja noch im Internet kurz vor dem Anschlag suchen, Sicherheitsmaßnahmen wurden ihm auch nicht nahegelegt, aber wenigstens das Wegschlurfen vor der sächsischen Polizei ist ihm gelungen. Ein komischer Terrorist. Aber immerhin ein waschechter islamistischer Terrorist, denn die sind ja bekanntlich am echtesten, wenn sie tot sind. Und der ist jetzt mausetot.
Das schafft die deutsche Polizei auch ganz ohne US-amerikanische Nachhilfe. Tod in der Polizeizelle, darin hat sie Übung. Und wie gut, dass das in einem ostdeutschen Teil der BRD geschehen konnte. Das Problem ist dann sächsisch und nicht mehr der tiefe BRD-Staat, der faschistische Terrorbanden wie den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gepäppelt, finanziert und gedeckt hat und bis heute deckt.
Es bleibt nur noch die Frage: Wer profitiert? Offensichtlich schafft auch diese, wenn auch so dümmliche, Inszenierung eine Stimmung der Angst, ein Klima also in dem Rufe nach einem starkem Staat, nach Sicherheit und Ordnung lauter werden. Unter anderem durch die Enthüllungen der NATO-geführten Terrororganisationen Gladio und Stay behind wissen wir, dass solche Schock-Strategien zum normalen Repertoire der imperialistischen Staaten gehören. Nach dem Motto „Schockiere und Herrsche“ werden Ausnahmezustände, so genannte Anti-Terrorgesetze, Überwachungsmaßnahmen als Teil eines autoritären Staatsumbaus vorangetrieben. Wie lange wird das Publikum diese sich ständig wiederkehrenden Muster der Anschlagsabläufe mit immer mehr Toten, die noch ein paar Informationen hätten haben können, unhinterfragt akzeptieren? Diese unbeantwortete Frage, weist auf ein Restrisiko für den Staat. Wird sich die Angst vor dem Terror in ein tiefes Misstrauen gegen ihn selbst wandeln?


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Leserbrief zu »Ein komischer Terrorist«, UZ vom 21. Oktober 2016





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