Kleingarten-Propaganda

Ein Kommentar von Heinz-W. Hammer
|    Ausgabe vom 28. August 2015

Die fünf Kubaner, die die USA gefangen gehalten hatten, sind frei. USA und Kuba haben ihre Botschaften in Havanna und Washington eröffnet. Die diplomatischen Beziehungen normalisieren sich – die antikubanische Propaganda und die ideologische Auseinandersetzung nehmen zu.

Natürlich wissen die Berichte der Konzernmedien nichts davon, dass der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA nicht etwa von den Kubanern ausging – 1961 beendeten die USA einseitig die Beziehungen. In einem dpa-Artikel zur Eröffnung der US-Botschaft in Havanna am 14. August, der es in mehrere Zeitungen schaffte, hieß es: „US-Invasion in der Schweinbucht, Stationierung von Mittelstreckenraketen im Kalten Krieg, ein immer noch bestehendes Wirtschaftsembargo der USA: Das über Jahrzehnte geschürte Misstrauen beider Seiten sitzt tief.“ In scheinbar objektivem Ton verfälscht der Artikel die Geschichte: Die USA betrieben über Jahrzehnte eine aggressive Politik gegen die sozialistische Insel – mit der Blockade, mit Invasion und Terror, unter anderem allein mit 600 versuchten Attentaten auf den Revolutionsführer und langjährigen Präsidenten Fidel Castro. Kuba hat sich gegen diese Aggression verteidigt – auch im Bündnis mit den anderen sozialistischen Staaten, auch durch die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen. Der Hintergrund des angeblich „beidseitigen Misstrauens“ ist eine einseitige Aggression.

Durch die ideologische Brille der Konzernmedien verwandelt sich der Kampf zweier Gesellschaftssysteme in einen ganz unnötigen Streit von sturen Herren. In der „SZ“ war zu lesen, dass Kuba eine „surreale Propagandaschlacht“ gegen die USA betreibe, die an eine „Nachbarschaftsfehde, wie man sie aus Kleingartenkolonien kennt“, erinnere. Die Darstellung hat eine wirklichen Hintergrund: Das Blickfeld des Autors reicht nicht weiter als bis zur ordentlich gestutzten Hecke des bürgerlichen Vorurteils. Anstelle von aggressiver Großmacht und Verteidigung der Revolution sieht die „SZ“ eine „kalten Kleinkrieg“.

Als Anfang der 90er Jahre die kubanische Revolution besonders gefährdet war, kam fast jede Diskussion über die Perspektiven des karibischen Sozialismus irgendwann auf die Frage: „Was meinst du – wird Kuba überleben?“ Als Aktivisten der Solidaritätsbewegung antworteten wir damals dasselbe wie heute: „Die Frage ist: Was können wir für das Überleben Kubas tun?“ Und das heißt besonders: Der antikommunistischen Meinungsmache entgegentreten.


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