Die Vernichtung industrieller Arbeitsplätze schreitet weiter voran. Fast eine Viertelmillion Jobs im verarbeitenden Gewerbe sind laut einem Bericht der „Financial Times“ seit 2020 in Deutschland verloren gegangen. Dabei beruft sich die britische Zeitung auf Daten des Statistischen Bundesamts, nach denen hierzulande 2019 noch etwa 7,53 Millionen Personen in der Industrie beschäftigt waren. Bis 2024 ist die Zahl auf rund 7,22 Millionen gesunken. Allein bei den deutschen Autozulieferern sind nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) im vergangenen Jahr rund 11.000 Arbeitsplätze gestrichen worden.
Die Zukunft verheißt nichts Gutes. Laut einer Umfrage unter Betriebsräten des IG-Metall-Bezirks Mitte droht in der Metall- und Elektroindustrie der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen der Verlust von mindestens 14.100 Jobs. Hierzu passt auch die Meldung aus der vergangenen Woche: Continental will in der Autozuliefersparte bis Ende 2026 weltweit 3.000 Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung streichen, 1.450 davon in Deutschland.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern angekündigt, in der Automotive-Sparte mehr als 7.000 Stellen abzubauen. Das sei inzwischen zu 80 bis 90 Prozent umgesetzt. Nun zeige sich jedoch, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichten, die gesteckten Ziele zu erreichen, heißt es vom Vorstand.
Continental hatte bereits im Dezember angekündigt, die schwächelnde Autozuliefersparte abzuspalten und als eigenes Unternehmen an die Börse zu bringen. Nur der Aufsichtsrat und die Hauptversammlung müssen dem im März beziehungsweise im April noch zustimmen. Der Börsengang der Sparte soll dann unter neuem Namen bis Ende des Jahres erfolgen. Geht es nach den Bossen, dann sollen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis 2028 auf weniger als 10 Prozent des Umsatzes gesenkt werden.
Allein am mit 4.000 Beschäftigten größten Automotive-Standort in Frankfurt/ Main würden 220 Entwicklerjobs wegfallen. Dort hatte man bereits im vergangenen Jahr Hunderte Stellen gestrichen. Ebenso viele sind es im hessischen Babenhausen mit derzeit noch rund 1.800 Beschäftigten. Der Standort Nürnberg soll ganz geschlossen werden. Betroffen sind dort nach Unternehmensangaben 140 Mitarbeiter. Weitere 60 Stellen in Ingolstadt und Regensburg stehen auf der Streichliste und bei der Conti-Softwaretochter Elektrobit sollen 480 Stellen wegfallen, 330 davon in Deutschland.
Im mittelhessischen Wetzlar war die Bombe bereits am 21. Januar geplatzt. Nachdem die Standortschließung bekannt wurde, hatte die Unternehmensseite noch angekündigt, 225 Beschäftigte in Frankfurt und 80 in Babenhausen weiter zu beschäftigen. Nun werden dort 373 Kolleginnen und Kollegen ihren Arbeitsplatz endgültig verlieren.
Continental reagiere damit auf das „gegenwärtig herausfordernde Marktumfeld im Zuge der grundlegenden Markttransformation in Richtung Zukunftstechnologien“, heißt es aus dem Management. „Die wirtschaftlichen Bedingungen haben sich eingetrübt“, so ein Unternehmenssprecher. Damit sind jedoch keinesfalls Verluste gemeint, der Umsatz wächst nur nicht so stark, wie man es sich in den Vorstandsetagen ausgemalt hat.
Auch Konkurrent ZF Friedrichshafen prüft laut „Handelsblatt“, das Antriebsgeschäft abzuspalten. Ein Verkauf im kommenden Jahr sei möglich. ZF wollte sich dem Bericht zufolge zum Stand interner Überlegungen nicht äußern. Man bekräftigte aber, dass strategische Kooperationen und Partnerschaften geprüft würden.
Für die Anteilseigner – ob bei Continental oder ZF – sind dies goldene Aussichten. Der DAX hatte zu Jahresbeginn erstmals die 21.000-Punkte-Marke überschritten. Das zeigt, Arbeitsplatzvernichtung und Profitmaximierung gehen in „unserem“ Wirtschaftssystem Hand in Hand. Das mag man bedauern – oder aber am 15. März bei einem bundesweiten Aktionstag gemeinsam mit unserer IG Metall in Frankfurt, Hannover, Stuttgart, Köln und Leipzig auf die Straße gehen.