Zur Visite des Rheinmetall-Chefs bei VW

Statt Frieden

Der Rheinmetall-Chef beim Schaufenster-Bummel in der Stadt, die sich „Friedensstadt“ nennt. Als Armin Papperger letzte Woche das VW-Werk in Osnabrück heimsuchte, wurde er zwar nicht als Heiland empfangen, aber auch nicht als das, was er ist.

„Rüstungsproduktion in der Friedensstadt: Passt das?“, fragt der arme Wicht, den die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) dazu auserkoren hat, den passenden, für den Krieg mobilisierenden Kommentar zu schreiben. Natürlich lautet die Antwort: Ja! Denn erstens: „Die Zeiten haben sich geändert“ mit „revolutionärer Wucht und Schnelligkeit“ – Krieg ist Frieden, Frieden ist Krieg. Die Freiheit muss schließlich gegen eine wachsende Zahl von Feinden verteidigt werden. Und außerdem gilt es, Arbeitsplätze zu sichern. VW will das Werk abstoßen.

Von IG Metall und Betriebsrat war keine Begeisterung zu hören. Die Belegschaft sei hochqualifiziert, eine einseitige Fokussierung auf Rüstungsproduktion nicht sinnvoll. Vom VW-Konzern fordert man eine langfristige Perspektive für die rund 2.300 Stammbeschäftigten. Die Produktion des T-Roc läuft 2027 aus.

Zivile Alternativen für das Werk werden nicht diskutiert. Der Umstieg auf Rüstungsproduktion scheint dagegen überhaupt kein Problem zu sein. Gehässige Leserinnen und Leser der NOZ kommentierten bereits, dass im VW-Werk Osnabrück mit dem T-Roc ja sowieso schon Straßenpanzer gebaut würden – bisher allerdings als Cabriolet.

Gerüchte um einen Verkauf an Rheinmetall gab es bereits Anfang des Jahres. Der Osnabrücker Landtagsabgeordnete Frank Henning (SPD) gibt vor, von solchen Vorhaben nichts zu wissen, und sagte noch Mitte März gegenüber dem NDR: „Es steht fest, dass der VW-Konzern keinerlei Panzer oder Waffen produzieren wird.“

Die Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) ist da schon weiter. Den Bau von Militärfahrzeugen bezeichnete sie als „Beitrag für Frieden und Sicherheit“. Die Stadt stehe vor einer „intensiven“ Debatte über ihr eigenes Selbstverständnis als „Friedensstadt“. Aber worauf bezieht sich das? Auf den „Westfälischen Frieden“. Mit diesem endete immerhin der Dreißigjährige Krieg. Wenn die Perspektive lautet, den „Frieden“ dadurch zu erreichen, dass so lange Krieg geführt wird, bis kein Stein mehr auf dem anderen steht, dann kann Osnabrück seinen Titel behalten – auch dann, wenn dort Kriegsgerät vom Band läuft.

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"Statt Frieden", UZ vom 4. April 2025



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