Zweimal Museums-Bauten

Wie Kommunen mit Steuergeldern umgehen
Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 6. September 2019

Dem Bauhaus-Künstler Josef Albers, geboren 1888 in Bottrop und gestorben 1976 in den USA, wurde nicht nur die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt verliehen, sondern noch zu seinen Lebzeiten wurde ein städtisches Museum geplant und gebaut, das unter dem Namen „Quadrat“ seinen Werken eine adäquate Präsentation bietet. Seit Jahren steht nun eine Erweiterung der Ausstellungsfläche in Aussicht, um auch Wechselausstellungen zeigen zu können, ohne jedes Mal Kunstwerke von Josef Albers abzuhängen. Konsens im Stadtrat war, auch als Grundlage der Zustimmung der Ratsparteien, dass die Erweiterung den Kostenrahmen von rund 10 Millionen Euro nicht überschreiten dürfe. Aufgebracht werden sollte das Geld durch Stiftungen, das Land NRW und den Bund. Nun brachte die städtische Verwaltung eine Vorlage in den Rat, nachdem durch diverse Entwicklungen in der bereits laufenden Bauphase die Gesamtsumme auf 12,8 Millionen steigen wird. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar, der klamme kommunale Haushalt kann überhaupt nicht beispringen.
Wie es nun weitergehen soll, ist offen. Die schlechte Lösung wäre der Stopp der Baumaßnahmen, entstandene Kosten für Planung, Architekten und Bauleistungen müssten gezahlt werden, die bisherigen Geldgeber würden dafür nicht bereit stehen, also blieben die nicht unerheblichen Summen bei der Stadt hängen. Die Ratsfraktion der DKP hat sich bereits entschieden. Ratsherr Michael Gerber sagt: „Uns liegt sehr viel am Andenken an Josef Albers, der vor den Faschisten 1933 fliehen musste, doch in diesem Fall ist ein Ende mit Schrecken die bessere Wahl.“ Die anderen debattierten Vorschläge, die neue Ausstellungsfläche deutlich kleiner zu bauen oder auch, typisch für eine Verwaltung, die Gewerke einzeln neu auszuschreiben und dabei geringere Kosten eventuell zu haben, sind für die DKP keine Lösung. Man könnte es als Provinzposse abtun, schließlich geschieht Solches und Ähnliches ständig bei öffentlichen Baumaßnahmen, um die Ratsfraktionen und die Bürger der Kommune zur Zustimmung zu bewegen. Dass gerade bei Projekten, die zur kulturellen Bildung der Menschen beitragen können, entweder schlampig gerechnet wird oder in der Hoffnung, irgendeinen Geldgeber noch auftreiben zu können, zeigt den Zustand der Kulturpolitik und ihr Ansehen im Land.
Das es auch anders geht, lässt sich aktuell in Arnsberg im schönen Sauerland zeigen. Im benachbarten Meschede wurde August Macke 1887 geboren, er starb im 1. Weltkrieg als Soldat in Frankreich. Macke war einer der bekanntesten deutschen Maler des beginnenden 20. Jahrhunderts. Er beteiligte sich an den beiden Ausstellungen der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“. Bisher hatte das „Sauerland-Museum“ in Arnsberg wenig Platz für seine Werke, durch den Erweiterungsbau können nun rund 130 Bilder ständig gezeigt werden. Interessant ist auch die architektonische Lösung: Der treppenartig an den Fuß des historischen Altbaus am Hang gesetzte Komplex bietet eine Ausstellungsfläche von 530 Quadratmetern. Er ist durch eine Brücke mit dem Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten alten Adelshof verbunden, der bisher alleine das Museum beherbergte. Im Herbst 2014 war das Sauerland-Museum für die nun beendete Generalüberholung geschlossen worden. Im vergangenen Jahr hatte dann der sanierte Altbau wieder seine Pforten geöffnet. Die gesamte Maßnahme hat 17 Millionen Euro gekostet, etwa zwei Drittel entfielen auf den Neubau. Die Zusicherung der Verwaltung, die Kosten würden nicht steigen, wurde fast eingehalten. Die schwierige Baumaßnahme am Hang wurde gemeistert, auch durch eine elegante neue Lösung der Verbindung zwischen Alt- und Neubau.Die Macke-Ausstellung ist nicht geplant als Dauerausstellung, aber ein gewisser Teil soll immer zu sehen sein.


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