Frieden mit dem Faschismus?

Der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag, Teil II: Der Vertrag und der antifaschistische Widerstandskampf
Von Kurt Baumann
|    Ausgabe vom 30. August 2019
21 Monate Frieden erkauft – und die Waffen produziert, die den Sieg über die Faschisten möglich machten: Panzer T-34/76 vor dem Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten. Die Fertigung des T-34 begann 1940.
21 Monate Frieden erkauft – und die Waffen produziert, die den Sieg über die Faschisten möglich machten: Panzer T-34/76 vor dem Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten. Die Fertigung des T-34 begann 1940.

Anton Ackermann, Mitglied des Zentralkomitees der KPD, formulierte im Mai 1940 einen umfangreichen Bericht über die Arbeit der KPD in Deutschland und Frankreich:
Nach dem Abschluss des Nichtangriffspaktes zwischen der Sowjetunion und Deutschland
Die Diskussion im Lande begann über diese Frage nicht erst mit dem Termin des Abschlusses des Nichtangriffspaktes. Schon vorher hatte das Regime über seinen Apparat seine Anhänger vorbereitet und damit die Diskussion auch ins Volk geworfen.
Es ist fast genau kalendermäßig nachgewiesen, dass seit Mitte Mai (1939) in allen Teilen Deutschlands Nazianhänger zu unseren Leuten kamen und mit ihnen über ein bevorstehendes Bündnis Hitlerdeutschlands mit der Sowjetunion sprachen.
Bei der Ideologie der Nazianhänger kam es so heraus, dass von einem aktiven Bündnis die Rede war und keineswegs von einem Nichtangriffspakt zur Sicherung des Friedens zwischen den beiden Ländern.
Dieses Manöver erschwerte unseren Genossen das Verständnis der Frage. (…)
Schon nach München gab es vereinzelte Meinungsäußerungen über eine eventuelle Möglichkeit eines gemeinsamen Vorstoßes der Sowjetunion und Deutschlands gegen die englische Weltherrschaft (z. B. seitens des Mitglieds einer Parteileitung in Berlin). Der tiefe Hass, der auf Grund des Versailler Systems im deutschen Volke gegen England immer vorhanden war und der, was die Antifaschisten angeht, durch die Politik der Chamberlain-Regierung noch gesteigert wurde, ließ unsere Genossen im Lande die Dinge viel realistischer betrachten, als dies viele Leitungen im Ausland taten.
Das Unverständnis für die Politik der Sowjetunion war dort am größten, wo die Illusionen über die anglo-französische Politik am stärksten verbreitet war.
Solche Genossen und Antifaschisten, die auf Seiten Englands und Frankreichs die Sache der Gerechtigkeit und Freiheit sahen, konnten natürlich schwer verstehen, wieso sich die SU mit Hitler verständigen kann, der doch die Sache der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verkörperte.
Es ist keine Frage, dass unsere Genossen auch ohne Kenntnis „diplomatischer Geheimnisse“ leichter, schneller, gründlicher den Sinn des Nichtangriffspaktes verstanden hätten, wenn sie nach München mehr in folgendem Sinne erzogen worden wären: Hier steht die Sowjetunion als das einzige sozialistische Land der Welt und dort stehen zwei verschiedene Gruppen von kapitalistischen Ländern, die miteinander rivalisieren, von denen die eine Gruppe aus aggressiven faschistischen Staaten besteht und die andere aus demokratischen Ländern.
Aber sie alle sind imperialistische Staaten.
Die Sowjetunion ist bereit, mit allen Kräften zur Erhaltung des Friedens zusammenzuarbeiten. Aber sie will kein Bündnis für den Krieg.
Sie macht eine unabhängige und selbstständige Außenpolitik, die bestimmt ist von den Interessen des sozialistischen Landes, von den Interessen der Werktätigen aller Länder.
Mit anderen Worten: Bei geschickter Haltung wäre es möglich gewesen, ohne Abbruch oder Einengung unserer breiten Friedenspolitik durch eine geschickte Entlarvung der Nichteinmischungspolitik die Massen auf kommende neue Ereignisse vorzubereiten.
Auch bei einer anderen möglichen Entwicklung, sogar bei dem Zustandekommen eines Paktes der Sowjetunion mit England und Frankreich zur Verhinderung des Krieges (wenn man schon vorsichtigerweise auch mit dieser Möglichkeit rechnete) wäre trotzdem äußerstes Misstrauen gegenüber den imperialistischen Partnern notwendig gewesen.
Wenn die Parteikader im Lande wie auch in der Emigration nach einer gewissen Bestürzung den Kopf wieder fanden und nach und nach die Richtigkeit der Stalinschen Politik einsahen, so spricht das vor allem von der unendlichen Treue gegenüber der Sowjetunion (…).
Nach dem Abschluss des Nichtangriffspaktes fand eine längere Aussprache der Genossen Franz [Dahlem], Paul [Merker), Groß und Ackermann statt, die davon noch sehr beherrscht war. Es war natürlich nicht leicht, mit einem Male die ganze Bedeutung und Tragweite dieses Ereignisses abzuschätzen. Ein solcher Vorwurf wird ja auch gegen niemand erhoben, und das Dokument, das auf Grund der ausgiebigen Diskussion fertiggestellt wurde, ist nicht das schlechteste unter den ersten Dokumenten zum Nichtangriffspakt. (…) Der Hauptmangel dieses Dokuments besteht darin, dass es noch vom Geiste eines primitiven Antifaschismus beherrscht ist.
Keine einheitliche Meinung konnte darüber erzielt werden, ob der Nichtangriffspakt nur eine vorübergehende Sache sei oder nicht, ob die Tatsache dieses Paktes einschneidende Konsequenzen für die gesamte Politik unserer Partei im Lande haben würde oder nicht, und auch nicht über den Charakter des unmittelbar bevorstehenden Krieges. (…)

Bericht über die Arbeit der Partei von der Berner Konferenz bis zum Kriegsausbruch; Zitiert nach: Anton Ackermann, Der deutsche Weg zum Sozialismus, Verlag Das Neue Berlin

Die Machtübertragung an die deutschen Faschisten löste eine Welle an Anforderungen an die SU aus. Das faschistische Deutsche Reich begann sofort die Vorbereitungen für einen neuen, großen Krieg. Die zivilen Grundlagen legten der Generalrat der deutschen Wirtschaft und die Zwangsorganisation der Bauern, der Reichsnährstand 1933. Mit dem „neuen Plan“ zur Aufrüstung und deren Finanzierung und mit dem Bau der Rüstungsbetriebe und der Schaffung der Luftwaffe ab 1934 ging es um ökonomischen als auch die materiell-technischen Voraussetzungen. 1935 wurde sowohl die allgemeine Wehrpflicht als auch der Reichsarbeitsdienst eingeführt.

Faschistische Aufrüstung
Die kommunistische Internationale und die sowjetische Regierung waren über die Aufrüstungsbestrebungen informiert. In Paris wurde mit Komintern-Geldern der Münzenberg-Verlag aufgebaut. Hier entstand das erste Braunbuch, hier wurden die Forschungen zur Aufrüstung durch den Militärexperten Albert Schreiner veröffentlicht. Es war den Sowjets zu jedem Zeitpunkt klar, von wem die Hauptkriegsgefahr ausging.
1934 erlitt die österreichische Arbeiterklasse in ihrem bewaffneten Kampf gegen Dollfuß eine Niederlage. 1938 wurde erst Österreich annektiert, dann die Tschechoslowakei aufgeteilt. Frankreich und Großbritannien ließen dem Hauptkriegstreiber freie Bahn, mehr noch, im Münchener Abkommen wurde dem deutschen Imperialismus ein Teil der Tschechoslowakei zugesichert. Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Jugoslawien ordneten sich ohne Militäreinsätze der faschistischen deutschen Außenpolitik unter. Der Antikominternpakt, ebenso gegen die Komintern wie gegen die Sowjetunion gerichtet, wurde von immer mehr Staaten unterzeichnet.
Im Frühjahr 1939 folgte der letzte, erfolglose Versuch der SU, Frankreich und Großbritannien in eine gemeinsame antifaschistische Kampffront einzubeziehen. Beide Staaten führten zur gleichen Zeit Geheimverhandlungen mit dem faschistischen Deutschland, um dieses in die antisowjetische Front einzureihen. Stalin warnte Paris und London in seinem Rechenschaftsbericht an den XVIII. Parteitag der K­PdSU: „Ich bin weit davon entfernt, über die Nichteinmischungspolitik zu moralisieren, von Verrat, von Treuebruch und dergleichen zu sprechen. Es wäre naiv, Menschen, die menschliche Moral nicht anerkennen, Moral predigen zu wollen. (…) Es ist jedoch notwendig zu bemerken, dass das große und gefährliche politische Spiel, das die Anhänger der Nichteinmischungspolitik begonnen haben, für sie mit einem ernsten Fiasko enden kann.“ Seine Warnung wurde nicht beachtet. Aber er behielt Recht.
Im März besetzen die faschistischen Truppen Prag. Im Mai greift die japanische Armee die Mongolei an. Diese ist mit der SU durch einen militärischen Beistandsvertrag verbunden. Bis August 1939 ziehen sich die Kämpfe, danach müssen die japanischen Truppen abziehen. Ihnen stand die Rote Armee unter Marschall Schukow gegenüber.

Berner Konferenz
Die kommunistischen Parteien, vor allem die deutsche, erkennen die Lage des unmittelbar bevorstehenden Krieges. Auf der Berner Konferenz 1939 arbeitete die KPD – von den Beschlüssen der Brüsseler von 1935 ausgehend – die weiteren Orientierungen aus. Die antifaschistische Arbeit, vor allem in den Betrieben muss von den sozialen Kämpfen ausgehend weitergeführt werden bis hin zur Sabotage und Spionage der faschistischen Kriegsrüstung. Gegen die Kriegsmobilisierung müssen die Friedensparolen Hitlers angebracht werden, um die faschistische Propaganda zu entlarven. Damit kann der faschistischen Ideologie in der nationalen Frage die Perspektive eines demokratischen, friedlichen Deutschlands entgegengestellt werden. Diese Perspektive einer „deutschen demokratischen Republik“ war das Ziel der kämpfenden Volksfront. Sie wurde erst 1949 und unter völlig anderen Bedingungen Realität.

Geländegewinn
Am 1. September hatte die faschistische Wehrmacht Polen überfallen. Ihr standen, soweit es die Verträge zuließen, nun sowjetische Soldaten gegenüber. Mit ihrem Vorrücken retteten sie unzähligen polnischen Juden, Kommunisten und vielen Aktivisten das Leben, die in der Volksbewegung 1936 bis 1938 in Bewegung gegen Pilsudski geraten waren.
Durch den Vertrag marschierten die sowjetischen Truppen auf polnisches Gebiet. Churchill grollt in seinen Memoiren: „In jedem Fall ist die Linie dort [in Polen] für eine Ostfront geschaffen worden, damit Nazideutschland keinen Angriff wagt.“
Tatsächlich kann man diese defensive Orientierung anhand der Quellen nachweisen. Im Vertrag spielen die Flüsse San, Narew, Bug und Weichsel eine besondere Rolle. Es wurde den deutschen Faschisten die Zusage abgerungen, sie nicht zu übertreten. Sie sind die natürlichen Schutzwälle, die die sowjetischen Provinzen Westukraine und Westbelorussland schützen.
Im Gegensatz zur Propaganda über den „totalitären Stalin“ fragen wir uns, wie der Staatsmann, der um diese taktischen Notwendigkeiten wusste, mit ihnen umging? Sie wurden in der Prawda vom 23. September 1939 veröffentlicht.

Die „Westmächte“
Im Westen erklärten Frankreich und Großbritannien ebenfalls dem faschistischen Deutschland den Krieg. Sie entfesselten den sogenannten Sitzkrieg, im Französischen „merkwürdiger Krieg“ genannt. Keine Bombe bedrohte den Vormarsch, das Rheinland wurde nicht angegriffen. Weiterhin, selbst als der deutsche Imperialismus Polen überfallen hatte und damit in das eigene Einflussgebiet eindrang, wollten sie ihn gegen die SU lenken.
Die SU hingegen schaffte zwischen Januar 1939 und dem 22. Juni 1941 92578 Geschütze, davon 29637 Feldgeschütze und 52407 Granatwerfer, an die zu stabilisierende sowjetische Westfront. 17745 Kampfflugzeuge wurden an die Front geschafft. Schukow erklärt: „Damit die Betriebe der Verteidigungsindustrie alles Notwendige erhalten konnten, wurden von den Delegierten des Zentralkomitees erfahrene Organisatoren und bekannte Spezialisten an die Spitze ihrer Parteiorganisationen berufen.“ Im Weiteren lobt Schukow Stalin für dessen persönliche Betrauung mit der Thematik. Ebenso ist der „Winterkrieg“ gegen Finnland zu werten: Es ging um den Schutz Leningrads vor einer potentiell dem deutschen Faschismus hörigen Regierung.
Die Sowjetunion hatte sich eine stabilisierte Westfront geschaffen, die eigene Grenze um bis zu 300 km nach Westen verlegt. Und sie hatte sich 21 Monate Frieden erkauft. Gerade gegen die zuvor von den deutschen Militärstäben angewendeten Blitzkriegsstrategien ein wichtiger taktischer Vorteil. Nach Aussagen des sowjetischen Feldherrn Schukow eine wichtige Position gerade in den Gefechten um Leningrad und Moskau Ende 1941. Hier erhielt der faschistische deutsche Imperialismus die ersten, aber entscheidenden Niederlagen. Hier brach – wie der im faschistischen Kerker sitzende Thälmann seinen faschistischen Wächtern entgegenschleuderte – Stalin Hitler das Genick.
Lehren für heute
Wir stehen heute in der Tradition der KPD. Sie war die Kraft, die dem Faschismus an entschiedensten im Inneren des Landes Widerstand entgegensetzte, und die zu keinem Zeitpunkt während der zwölf Jahre aufhörte, diesen zu bekämpfen. Wir müssen der Lüge entgegentreten, sie habe den Widerstandskampf eingestellt. Ob diese Lüge in der brachial-antikommunistischen Variante der Bundeszentrale für politische Bildung erfolgt oder durch den trotzkistisch beeinflussten Peter Weiss – es bleibt eine Lüge.
Wir haben allen Grund, die Friedenspolitik der SU gegen die Unterstellungen der Antikommunisten zu verteidigen. Das System der kollektiven Sicherheit und später der Versuch einer friedlichen Koexistenz sind Anwendungen der Leninschen Imperialismustheorie. Weil wir wissen, dass der Imperialismus nicht friedensfähig ist, müssen wir lernen, ihm in den Arm zu fallen. Und mit unserem fangen wir an.

Teil I „Notwendiger Zeitgewinn“ erschien in UZ 34.

Anton Ackermann, Mitglied des Zentralkomitees der KPD, formulierte im Mai 1940 einen umfangreichen Bericht über die Arbeit der KPD in Deutschland und Frankreich:
Nach dem Abschluss des Nichtangriffspaktes zwischen der Sowjetunion und Deutschland
Die Diskussion im Lande begann über diese Frage nicht erst mit dem Termin des Abschlusses des Nichtangriffspaktes. Schon vorher hatte das Regime über seinen Apparat seine Anhänger vorbereitet und damit die Diskussion auch ins Volk geworfen.
Es ist fast genau kalendermäßig nachgewiesen, dass seit Mitte Mai (1939) in allen Teilen Deutschlands Nazianhänger zu unseren Leuten kamen und mit ihnen über ein bevorstehendes Bündnis Hitlerdeutschlands mit der Sowjetunion sprachen.
Bei der Ideologie der Nazianhänger kam es so heraus, dass von einem aktiven Bündnis die Rede war und keineswegs von einem Nichtangriffspakt zur Sicherung des Friedens zwischen den beiden Ländern.
Dieses Manöver erschwerte unseren Genossen das Verständnis der Frage. (…)
Schon nach München gab es vereinzelte Meinungsäußerungen über eine eventuelle Möglichkeit eines gemeinsamen Vorstoßes der Sowjetunion und Deutschlands gegen die englische Weltherrschaft (z. B. seitens des Mitglieds einer Parteileitung in Berlin). Der tiefe Hass, der auf Grund des Versailler Systems im deutschen Volke gegen England immer vorhanden war und der, was die Antifaschisten angeht, durch die Politik der Chamberlain-Regierung noch gesteigert wurde, ließ unsere Genossen im Lande die Dinge viel realistischer betrachten, als dies viele Leitungen im Ausland taten.
Das Unverständnis für die Politik der Sowjetunion war dort am größten, wo die Illusionen über die anglo-französische Politik am stärksten verbreitet war.
Solche Genossen und Antifaschisten, die auf Seiten Englands und Frankreichs die Sache der Gerechtigkeit und Freiheit sahen, konnten natürlich schwer verstehen, wieso sich die SU mit Hitler verständigen kann, der doch die Sache der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verkörperte.
Es ist keine Frage, dass unsere Genossen auch ohne Kenntnis „diplomatischer Geheimnisse“ leichter, schneller, gründlicher den Sinn des Nichtangriffspaktes verstanden hätten, wenn sie nach München mehr in folgendem Sinne erzogen worden wären: Hier steht die Sowjetunion als das einzige sozialistische Land der Welt und dort stehen zwei verschiedene Gruppen von kapitalistischen Ländern, die miteinander rivalisieren, von denen die eine Gruppe aus aggressiven faschistischen Staaten besteht und die andere aus demokratischen Ländern.
Aber sie alle sind imperialistische Staaten.
Die Sowjetunion ist bereit, mit allen Kräften zur Erhaltung des Friedens zusammenzuarbeiten. Aber sie will kein Bündnis für den Krieg.
Sie macht eine unabhängige und selbstständige Außenpolitik, die bestimmt ist von den Interessen des sozialistischen Landes, von den Interessen der Werktätigen aller Länder.
Mit anderen Worten: Bei geschickter Haltung wäre es möglich gewesen, ohne Abbruch oder Einengung unserer breiten Friedenspolitik durch eine geschickte Entlarvung der Nichteinmischungspolitik die Massen auf kommende neue Ereignisse vorzubereiten.
Auch bei einer anderen möglichen Entwicklung, sogar bei dem Zustandekommen eines Paktes der Sowjetunion mit England und Frankreich zur Verhinderung des Krieges (wenn man schon vorsichtigerweise auch mit dieser Möglichkeit rechnete) wäre trotzdem äußerstes Misstrauen gegenüber den imperialistischen Partnern notwendig gewesen.
Wenn die Parteikader im Lande wie auch in der Emigration nach einer gewissen Bestürzung den Kopf wieder fanden und nach und nach die Richtigkeit der Stalinschen Politik einsahen, so spricht das vor allem von der unendlichen Treue gegenüber der Sowjetunion (…).
Nach dem Abschluss des Nichtangriffspaktes fand eine längere Aussprache der Genossen Franz [Dahlem], Paul [Merker), Groß und Ackermann statt, die davon noch sehr beherrscht war. Es war natürlich nicht leicht, mit einem Male die ganze Bedeutung und Tragweite dieses Ereignisses abzuschätzen. Ein solcher Vorwurf wird ja auch gegen niemand erhoben, und das Dokument, das auf Grund der ausgiebigen Diskussion fertiggestellt wurde, ist nicht das schlechteste unter den ersten Dokumenten zum Nichtangriffspakt. (…) Der Hauptmangel dieses Dokuments besteht darin, dass es noch vom Geiste eines primitiven Antifaschismus beherrscht ist.
Keine einheitliche Meinung konnte darüber erzielt werden, ob der Nichtangriffspakt nur eine vorübergehende Sache sei oder nicht, ob die Tatsache dieses Paktes einschneidende Konsequenzen für die gesamte Politik unserer Partei im Lande haben würde oder nicht, und auch nicht über den Charakter des unmittelbar bevorstehenden Krieges. (…)

Bericht über die Arbeit der Partei von der Berner Konferenz bis zum Kriegsausbruch; Zitiert nach: Anton Ackermann, Der deutsche Weg zum Sozialismus, Verlag Das Neue Berlin


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An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Frieden mit dem Faschismus?«, UZ vom 30. August 2019





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