Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 30. August 2019

Einladung nach Chemnitz
Eine Fotoausstellung der hervorragenden und engagierten Fotografin Gabriele Senft ist ab dem 6. September im soziokulturellen Zentrum Querbeet in Chemnitz zu sehen. Die Ausstellung unter dem Titel „Neue Nachbarn – neue Freunde an unserem Tisch – Schutz­suchende in Deutschland“ wird von Gabi Senft mit den Worten beworben: „Ich freue mich besonders, dass ich die Ausstellung hier in Chemnitz zeigen kann und mich damit neben die mir Gleichgesinnten vor Ort einreihe, Mutige, die die Stadt nicht Rassisten und Nationalisten überlassen.“ Zur Vernissage am 6. September ab 18.00 Uhr spielen die Musiker der Youma-Band aus Damaskus gemeinsam mit der Gruppe „Quijote“ aus Chemnitz Stücke aus ihrem gemeinsamen Musikprojekt „Krieg ist der Vater aller Dinge“ – Lieder und Texte über Flucht, Heimatlosigkeit, Hoffnung.

Neustart
Der legendäre „Schwarze Kanal“ des DDR-Fernsehens ist wieder auf Sendung. Die „junge Welt“ nutzt ihr Internetportal, um in Form von Glossen und Kolumnen die so notwendige Medienkritik über die Printausgabe hinaus publik zu machen. Und schon geifert es im herrschenden Blätterwald: „In Berlin ersteht die DDR wieder auf“, hieß es in der „Bild“ und fragte weiter: „Wer hat die DDR-Propaganda genehmigt?“ Gestartet ist das neue Format mit einem Text von Arnold Schölzel, der erläutert, wie „Die Welt“ und die „Neue Züricher Zeitung“ sich daran versuchen zu erklären, warum Donald Trump recht hat, von Berlin mehr Geld für Rüstung zu fordern. Ab dem 16. August stellt die „junge Welt“ zunächst in monatlichem Rhythmus einen neuen „Schwarzen Kanal“ als Video- und Audiodatei online.

Verschoben
Im September sollte endlich der Prozess gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein beginnen. Über 80 Frauen hatten Weinstein sexuelle Übergriffe unterschiedlicher Art vorgeworfen, für den Prozess waren nur zwei Vorfälle für die Anklage zugelassen. Jetzt will das zuständige Gericht den Fall eines weiteren Opfers des Filmgewaltigen in den Prozess einbringen lassen und hat die Staatsanwaltschaft aufgefordert, eine entsprechend neue Anklageschrift zu verfassen. Das wird dazu führen, dass der Prozess nicht vor Januar 2020 beginnen kann. Weinstein flog nach der Kampagne #me too, die viele der Frauen nutzten, um ihre „Erfahrungen“ öffentlich zu machen, aus der eigenen Firma raus und trägt seit 2018 eine Fußfessel als gerichtliche Auflage. Die tatsächliche Palette der Straftaten geht von Vergewaltigungen, kriminellen sexuellen Handlungen bis zu räuberischen sexuellen Übergriffen. Die Opfer hoffen, dass im Prozess viele Kolleginnen als Zeugen zugelassen werden und dass ein deutliches Urteil gesprochen wird.

Bizarr
Letzte Woche fand vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf die zweite Verhandlung im Streit von Adolphe Binder gegen die Stadt Wuppertal statt. Wie schon in der ersten Runde gab das Gericht der Intendantin des „Tanztheaters Pina Bausch“ recht, die gegen ihre Entlassung geklagt hatte. Das Gericht wies die vorgebrachten Gründe der Stadt für die Kündigung zurück, es nannte diese „nicht relevant“. Man möge sich auf eine „Arbeitsteilung“ mit der neuen Intendantin einigen. Ob dies von allen Seiten gewünscht wird und ob so etwas überhaupt praktikabel ist, ist zu bezweifeln. Läuft alles auf ein „ehrenvolles“ Ausscheiden mit entsprechenden Zahlungen hinaus. Adolphe Binder  ging es vor allen Dingen um ihre persönliche und künstlerische Reputation, deshalb bestand sie auf einem Urteil und lehnte eine Güteverhandlung ab. Sie hat bereits eine bemerkenswerte Karriere als Choreografin und Intendantin vorzuweisen, ihr Unwillen oder Unfähigkeit vorzuwerfen, ist tatsächlich ehrverletzend.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 30. August 2019





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