Auf den Spuren der Partisanen

Eine Reise entlang den Gedenkstätten des slowenischen Widerstands
Von Fabian Rednitz
|    Ausgabe vom 23. August 2019

 

Die Spurensuche begann am Persmanhof, der Gedenkstätte, Museum und Herberge zugleich ist.

Die Spurensuche begann am Persmanhof, der Gedenkstätte, Museum und Herberge zugleich ist.

( DKP Fürth)

Hört man „Partisanen“, denkt mal wohl zuallererst an „La Resistenza“ in Italien und deren heldenhafte Aktionen gegen den Faschismus südlich der Alpen. Wir begaben uns allerdings auf die Reise in die ehemals nördlichste Teilrepublik Jugoslawiens – das heutigen Slowenien. Um die Geschichte kennenzulernen, machte sich eine neunköpfige Reisegruppe – überwiegend aus Nordbayern – auf Spurensuche.
Erste Station unserer Bildungsfahrt war der Persmanhof in Bad Eisenkappel/Zelecna Kappla. Die Geschichte der Unterdrückung, Verfolgung, aber auch des Widerstand der Kärntner Slowenen ist den meisten unbekannt. Nach einem kurzen einleitenden Referat zur Geschichte der Kärntner Slowenen konnte sich die Reisegruppe beim Grillen am Lagerfeuer erst mal kennenlernen.

Auf den Spuren der Partisanen in Slowenien

Auf den Spuren der Partisanen in Slowenien

Der alte slowenische Bauernhof liegt auf österreichischem Gebiet. Er ist Gedenkstätte, Museum und Herberge mit tollem Panorama zugleich. Kurz vor Ende des Krieges – am 25. April 1945 – verübte eine Spezialeinheit der 4. Kompanie des I. Bataillons des SS-Polizeiregiments 13 an diesem Ort ein scheußliches Massaker und brachte elf Zivilisten um, überwiegend Kinder. Sie vermutete bei der Bauernfamilie Partisanenunterstützung (im Nazisprech „Banditenunterstützung“). Heute findet hier jährlich ein Gedenken statt. Im Inneren des Hauses befindet sich ein sehr informatives Museum, dessen Mitarbeiter uns am nächsten Morgen eine tolle Führung boten. Neben einem umfassenden Teil zur Unterdrückung und dem Widerstand der slowenischen Volksgruppe in Kärnten erhielten wir Informationen zum Beitrag der Kärntner Slowenen an der Staatsgründung Österreichs und zu ihrer heutigen Situation.
Nach einer kurzen Fahrt durch wunderschöne Landschaften fuhren wir über den Loibl-Pass. Hier befand sich ein „Zwillings-Außenlager“ des KZ Mauthausen – eines auf der Nordseite und eines auf der Südseite des Berges. Es diente dem Bau des Loibl-Tunnels. Bis Kriegsende mussten hier tausende Häftlinge einen Tunnel durch die Karawanken graben, die Grenze zwischen Jugoslawien und Österreich. Die Umrisse des ehemaligen Lagers – umgeben von imposanten Felsenformationen und einem grünen Tal – gaben einen makabren Anblick. Viele der Häftlinge wurden durch Arbeit ermordet. Wer nicht mehr arbeitsfähig war, wurde zur Tötung nach Mauthausen zurückgeschickt. Ungefähr 40 Menschen wurden vor Ort durch eine Benzinspritze ins Herz ermordet. Nach Kriegsende wurde der verantwortliche Lager„arzt“ nach kurzer Haftdauer Chefarzt in einem Klagenfurter Krankenhaus.
Wir befanden uns nun bereits auf slowenischer Seite und steuerten den Ort Begunje an. Seine traurige Bekanntheit erlangte er unter anderem durch ein Geiselgefängnis, das heutzutage ein Museum beherbergt. Die Geiseln stammten aus den Dörfern, in denen Widerstandstätigkeiten vermutet wurden. Diese wurden nach Folter zum Teil in KZs und Lager deportiert oder als „Vergeltung“ für Partisanenaktionen ermordet. Über 12000 Gefangene durchliefen das Gefängnis, mehr als 1 200 von ihnen wurden vor Ort ermordet. Beim Besuch des Museums hörten wir die Namen der Inhaftierten, eingespielt von einem Tonband. Das machte diesen schrecklichen Ort und das Schicksal jedes Einzelnen greifbarer.

Im Partisanen-Krankenhaus „Franja“ konnten auch Schwerverletzte operiert und versorgt werden.

Im Partisanen-Krankenhaus „Franja“ konnten auch Schwerverletzte operiert und versorgt werden.

( DKP Fürth)

Der Tag war nach diesen emotionalen Eindrücken jedoch noch nicht zu Ende. Wir machten Halt in Drazgose, wo die erste größere bewaffnete Auseinandersetzung zwischen der deutschen Wehrmacht und Partisanenverbänden so weit im Norden Jugoslawiens stattfand. Den Partisanenverbänden gelang es, die Wehrmacht mehrere Tage aufzuhalten, diese rächte sich in den darauffolgenden Tagen und Wochen blutig an der Bevölkerung. Ein kleines Museum über einer Gaststätte sowie eine riesige Gedenkstätte, nur wenige Schritte entfernt, erinnern an die Ereignisse vom Januar 1943. Noch heute wird dieses Gefechtes in jedem Januar mit einer großen Feier gedacht. Schließlich machte sich die Gruppe auf in die nächste Unterkunft, wo kollektiv gekocht und bis in die späten Stunden zusammen gesessen wurde.
Am dritten Tag ging es mit dem Auto in die Gegend um Cerkno. Hier befand sich das Partisanen-Krankenhaus Franja, benannt nach der Ärztin Dr. Franja Bojc-Bidovec, die 1944 die Leitung des Krankenhauses übernahm. Das beeindruckende Lazarett, das unter anderem mit einem OP und einem Röntgengerät ausgestattet war, rettete hunderten – zum Teil schwerverletzten – Partisanen das Leben. Das Partisanenkrankenhaus war durch einen Verteidigungsring gegen Angriffe geschützt. Es wurde von der deutschen Wehrmacht aufgrund seiner Lage in einer tiefen Schlucht und aufgrund dessen, dass es nur über ein Gebirgsbachbett zugänglich war, nie entdeckt. Wir waren von den herausragenden Leistungen der Partisanen an diesem Ort überwältigt.

In der Druckerei „Slovenija“ druckten die Genossen eine Tageszeitung mit einer Auflage von 4 000 bis 7 000 Exemplaren.

In der Druckerei „Slovenija“ druckten die Genossen eine Tageszeitung mit einer Auflage von 4 000 bis 7 000 Exemplaren.

( DKP Fürth)

Die Partisanendruckerei Slovenija war unsere nächste Station. Dieser Ort zählt zu einem der am besten im Original erhaltenen Denkmälern aus dieser Zeit. Die Druckerei, errichtet unter schwersten Bedingungen im Sommer 1944, befindet sich in einem sehr schwer zugänglichen Graben. Wie die tonnenschwere Druckanlage, Zubehör und Papiermassen hierher transportiert, verschiedene Flugblätter und Magazine gedruckt und den Berg rauf und runter geschmuggelt wurden, ist kaum vorstellbar. Selbst eine Tageszeitung mit dem Namen „Partizanski Dnevnik“ wurde hier gedruckt – in einer Auflage von 4 000 bis 7 000 Exemplaren – und anschließend verkauft. „Partizanski Dnevnik“ war die einzige täglich erscheinende Zeitung in den besetzten Gebieten Europas. Besondere Freude und Interesse an der Druckerei hatten zwei Teilnehmer, die selbst das Druckerhandwerk erlernt hatten.
Mit einer Sonderausgabe einer frisch gedruckten Zeitung ging es zurück in unsere Unterkunft. Die Leistungen im Lazarett zur Versorgung der Verwundeten und das Anfertigen von Propagandamaterial im Kampf gegen den Faschismus zeigten anschaulich, welches Ausmaß der Widerstand der Partisanen hatte und dass er erfolgreich war.

Partisanenfriedhof in Vojsco

Partisanenfriedhof in Vojsco

( DKP Fürth)

Am meisten beeindruckten die Gegensätze zwischen herausragender landschaftlicher Schönheit und abgrundtiefem menschlichen Grauen; zwischen bitterer Entbehrung und sprachlos machendem, kameradschaftlichem Mitein­ander der Partisanen.
Der Dank der Reisegruppe gilt Andrea aus München für die perfekte Reisebegleitung. Ihr Wissen, ihre Kurzbeiträge und der „rote Faden“, der durch die Tage führte, machten die gemeinsame Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis. In diesem Sinne: Nichts ist vergessen – Erinnern heißt kämpfen!


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Leserbrief zu Artikel »Auf den Spuren der Partisanen«, UZ vom 23. August 2019





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