Mahle will Kosten senken

Belegschaft kämpft gegen Werkschließungen und Entlassungen
Von Christa Hourani
|    Ausgabe vom 19. Juli 2019
Hunderte Kolleginnen und Kollegen wehrten sich am 12. Juli gegen Entlassungen bei Mahle. (Foto: Christa Hourani)
Hunderte Kolleginnen und Kollegen wehrten sich am 12. Juli gegen Entlassungen bei Mahle. (Foto: Christa Hourani)

Am 12. Juli haben 650 Kolleginnen und Kollegen des großen Autozulieferers Mahle vor der Mahle-Zentrale in Stuttgart-Bad Cannstatt gegen Werksschließungen und die Streichung von hunderten Stellen protestiert. Mit der Kundgebung wollte die Belegschaft Druck auf die zur gleichen Zeit stattfindende Aufsichtsratssitzung machen. Trotz strömenden Regens war die Stimmung kämpferisch, und die Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Standorte von Mahle bekundeten ihre gegenseitige Solidarität in ihren Reden, den mitgeführten Schildern und Transparenten.
Die Geschäftsführung hatte den Angriff geschickt eingefädelt. Im April wurde die Krise verkündet und 20 Prozent Kosteneinsparungen angekündigt. Mitte Mai haben dann die Beschäftigten über die Medien erfahren, dass am Standort Stuttgart 380 Stellen im indirekten Bereich (Verwaltung, Musterbau, Entwicklung) bis Ende 2020 mit „weichen“ Maßnahmen wie Altersteilzeit- oder Aufhebungsverträgen abgebaut werden sollen. Das ist eine Streichung von fast jeder zehnten Stelle. Betriebsbedingte Kündigungen will der Zulieferer zwar vermeiden, so der in der Geschäftsführung für Personal zuständige Michael Glowatzki, ausschließen will er sie aber nicht. Und dann wurden Ende Juni die Hämmer verkündet: Telford in England und das Mahle-Werk in Öhringen bei Heilbronn mit rund 240 Beschäftigten sollen ganz dicht gemacht werden.
Die Betriebsratsvorsitzende von Mahle Öhringen betonte, dass der Standort gut aufgestellt ist, zukunftsfähige Produkte herstellt und es keine nachvollziehbaren Gründe gibt, ihn zu schließen. Sie verlangte einen demokratischen ökologischen Wandel. Sie forderte „Zukunft statt Abzocke“ und stellte klar, dass die Belegschaft nicht wehrlos ist.
Uwe Meinhard, bis Ende letzten Jahres Geschäftsführer der IG Metall Stuttgart und als Gewerkschaftsvertreter im Mahle-Aufsichtsrat, betonte in seiner Rede, dass die Macht immer vom Druck der Straße kommt, nicht von Gremien. Er wies darauf hin, dass die Geschäftsführungen versuchten, den ersten Schwung der Abbauprogramme leise zu machen und Kollegen mittels freiwilliger Ausscheidungsvereinbarungen raus zu kaufen. Das wird nicht funktionieren, so seine Meinung, weil Metallerinnen und Metaller keine Leisetreter sind.
Auf der Kundgebung wurde ein Flugblatt verteilt, das Mahle-Kollegen aus fünf verschiedenen Werken erstellt hatten. Dort machten sie deutlich, dass es überhaupt keine Berechtigung für diesen Stellenabbau gibt. Sie fordern, dass keiner entlassen werden darf und dass die Betriebsräte nicht verhandeln dürfen, solange die Geschäftsführung die Angriffe nicht zurücknimmt. Es heißt dort: „Die einzig richtige Reaktion wäre: Sofort Widerstand auf allen Ebenen, keine Zustimmung zu gar nichts. Rücknahme der Pläne! … Alle Belegschaften müssen zeigen, dass sie hinter Öhringen und Telford stehen und Kampfmaßnahmen unterstützen! Widerstand in allen Werken muss heißen: Nicht eine Überstunde genehmigen, nicht eine Personalmaßnahme!“ Dies sind klare Ansagen.
Die Kundgebung soll laut Mahle-Betriebsrat nur ein erster Schritt sein. Für den 25. Juli kündigte er einen europaweiten Aktionstag der Mahle-Belegschaften an. Gut wäre, wenn sich auch andere Belegschaften der Automobil- und Zuliefererindustrie dem Protest anschließen würden. Denn in vielen Betrieben wie Daimler, Bosch, Ford, VW, Siemens wurde bereits Arbeitsplatzklau angekündigt. Gemeinsame Gegenwehr wäre dringlich und wirkungsvoll.


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Leserbrief zu Artikel »Mahle will Kosten senken«, UZ vom 19. Juli 2019





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