Interview

In Köln droht Medienkahlschlag

Werner Sarbok im Gespräch mit Stephan Somberg
|    Ausgabe vom 12. Juli 2019
ver.di hat in Köln Plakatwände angemietet und informiert darauf über den Medienkahlschlag. (Foto: ver.di Köln)
ver.di hat in Köln Plakatwände angemietet und informiert darauf über den Medienkahlschlag. (Foto: ver.di Köln)

Die Kolleginnen und Kollegen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und des „Express“ aus Köln haben am 26. Februar aus den Medien erfahren, dass die Familien DuMont und Schütte fünf Jahre nach dem Tod von Alfred Neven DuMont das Zeitungshaus verkaufen wollen. Darüber sprach UZ mit Stephan Somberg.

UZ: Welche Kaufinteressenten sind euch bekannt?

Stephan Somberg ist Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie des ver.di-Bezirks Köln-Bonn-Leverkusen.

Stephan Somberg ist Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie des ver.di-Bezirks Köln-Bonn-Leverkusen.

Stephan Somberg: Momentan ist dies zu vergleichen mit einem Blick in die Glaskugel. Der Betriebsrat bei DuMont erhält keine Informationen zum Verkauf – weder von den Verlegern noch von den Geschäftsführern. In der Medienlandschaft poppen immer wieder Meldungen auf, die viel Raum für Interpretation zulassen. Dass Gesprächspartner für DuMont vorhanden sind, liegt auf der Hand.

UZ: Was würde die Übernahme der Kölner Zeitungen durch andere Konzerne für die Medienlandschaft bedeuten?

Stephan Somberg: Wir erleben eine Medienkonzentration in dieser Republik. Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Jede Bürgerin und jeder Bürger muss sich die Frage stellen: Von wem möchte ich langfristig meine Nachrichten bekommen? Wer bietet einen guten Journalismus, um Hintergründe zu verstehen? Wie sehen die Voraussetzungen für guten Journalismus aus?

UZ: Welche Befürchtungen haben die Kolleginnen und Kollegen hinsichtlich ihrer Arbeitsplätze?

Stephan Somberg: Man muss wissen, dass bei DuMont in den letzten Jahren weitgehende unternehmerische Entscheidungen getroffen wurden. Am Kölner Standort wurden zahlreiche Betriebsänderungen vollzogen. Mitbestimmungsstrukturen mussten neu aufgebaut werden. Arbeitsplätze wurden in nahezu allen Abteilungen abgebaut. In der zurückliegenden Tarifrunde in der Druckindustrie mussten die Kolleginnen und Kollegen über ein halbes Jahr kämpfen, um eine Lohnerhöhung durchzusetzen und den Manteltarifvertrag wieder in Kraft zu setzen. All das macht doch etwas mit den Beschäftigten.
Wenn sich die Verleger in einer Videobotschaft mit einem Appell an die Beschäftigten wenden und um „Vertrauen“ werben, ist dies für die Kolleginnen und Kollegen nur schwer auszuhalten. Es geht an die Substanz. Die Kolleginnen und Kollegen befürchten wie so oft das Schlimmste. Deshalb gehen sie auch aktiv in die Öffentlichkeit.

UZ: Was fordert ver.di?

Stephan Somberg: ver.di fordert keine weiteren Betriebsänderungen und ein Ende des Arbeitsplatzabbaus. ver.di hat mit dem Betriebsrat die zurückliegenden Betriebsänderungen mitverhandelt. Wir konnten zwar den Arbeitsplatzabbau nicht verhindern, haben aber betriebsbedingte Kündigungen auf wenige reduzieren können. Dies haben wir nur erreichen können, weil wir weitreichende Veränderungen mitgetragen haben. Dazu wären wir auch zukünftig bereit.

UZ: Die ver.di-Vetrauensleute haben mit einer ersten Plakataktion gegen den Verkauf protestiert. Welche weiteren Aktionen werden nun geplant?

Stephan Somberg: Unsere Aktionen sind notwendig, weil unsere Kolleginnen und Kollegen um ihre Arbeitsplätze kämpfen. Die Verleger wurden wiederholt vom Betriebsrat aufgefordert zu informieren. Sie wurden zur Betriebsversammlung eingeladen und glänzten durch Abwesenheit. Daraufhin organsierten die Betriebsräte zwei Mal eine aktive Mittagspause und zogen vor das Verlagshaus. All das bewirkte nicht, dass die Betriebsräte im Rahmen der Mitbestimmung ordentlich informiert wurden. Im Betrieb fordern die Kolleginnen und Kollegen ebenfalls, dass ver.di informiert werden soll und mit an den Tisch geholt wird.
Die Kolleginnen und Kollegen haben sich entschieden, nun stärker in die Öffentlichkeit zu gehen, da man innerbetrieblich nicht weiterkommt. Deshalb wurden in Köln Plakatwände von ver.di angemietet mit der Überschrift: „Kölns Stimmen sollen verkauft werden!“.
Des Weiteren plant ver.di eine größere Veranstaltung mit zahlreichen namhaften Kölnerinnen und Kölnern. In dieser Veranstaltung soll es um die Auswirkungen des Verkaufs auf die Kölner Zeitungen, aber auch um Beschäftigungssicherung und Tarifbindung gehen.

UZ: Wie ist die Resonanz bei den Bürgern?

Stephan Somberg: ver.di erhält von den Beschäftigten bei DuMont und auch aus der Bevölkerung eine weitgehend positive Rückmeldung zur Plakataktion. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Zudem teilen uns viele mit, dass sie das Unternehmen angeschrieben oder angerufen haben. Das finde ich gut.

UZ: Wie können die betroffenen Kolleginnen und Kollegen unterstützt werden?

Stephan Somberg: Aktuell ist die beste Möglichkeit, zu unterstützen und aufmerksam zu machen auf die Situation an sich. Neben den Aktionen, die mit viel Kraft und Leidenschaft von den ver.di-Kolleginnen und -Kollegen bewegt werden, ist aus meiner Sicht wichtig, dass man im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft fragt, wie stelle ich mir guten Journalismus vor und zu welchen arbeitsvertraglichen Regelungen möchte ich arbeiten. Denn eins ist klar: Wir werden es selbst in die Hand nehmen müssen, wenn wir auch in dieser Auseinandersetzung erfolgreich sein wollen.


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