Gegen die Klimakrise

Fridays For Future und Ende Gelände demonstrieren
Von David Bolten
|    Ausgabe vom 28. Juni 2019
Aktivisten von „Ende Gelände“ stürmen den Tagebau (Foto: David Klammer / Ende Gelände)
Aktivisten von „Ende Gelände“ stürmen den Tagebau (Foto: David Klammer / Ende Gelände)

Am vergangenen Freitag rief „FridaysForFuture“ (FFF) europaweit zu einem zentralen Streik in Aachen auf. Unter dem Hashtag #AC2106 protestierten über 40 000 Menschen aus 16 Ländern gegen die Klimapolitik der Herrschenden. Am Wochenende beteiligten sich über 5 000 Menschen an den Aktionen von „Ende Gelände“. Sie blockierten Gleise und Bagger von RWE im Rheinischen Revier, dem größten CO2-Emittenten in Europa.
Der 16-jährige Schüler Jonathan aus Kassel ist in seiner lokalen FFF-Gruppe aktiv und für das Wochenende ins Rheinland gereist um an der FFF-Demonstration und an den Aktionen von Ende Gelände teilzunehmen. „Die engen Straßen von Aachen verliehen der Demo einen noch größeren Anschein, als sie es sowieso schon war!“, sagt Jonathan über die Demonstration. Sie war bunt und trotz vieler verschiedener politischer Meinungen vereint alle ein Ziel: Die Klimakrise aufhalten. DIDF-Jugend, Naturfreundejugend NRW und SDAJ bildeten den „Antikapitalistischen Block“ und skandierten: „Bankenrettung, das geht fix, für die Umwelt tun sie nix!“, als der Demonstrationszug an der Aachener Filiale der „Deutschen Bank“ vorbeizog.

Der Antikapitalistische Block von DIDF, Naturfreundejugend und SDAJ in Aachen

Der Antikapitalistische Block von DIDF, Naturfreundejugend und SDAJ in Aachen

( David Bolton)

Im Forderungskatalog von „FridaysForFuture“ steht die so genannte „CO2-Steuer“ direkt an zweiter Stelle nach dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Als Steuerungsmittel sieht Alfred Wickert von „ScientistsForFuture“ die Mehrwertsteuer-ähnliche Abgabe. Sozial verträglich, wie es FFF fordert, heißt für Alfred, dass das Geld danach wieder an die Bevölkerung ausgezahlt wird und nicht an die Unternehmen in Form von Subventionen oder Steuererlassen. „Ich finde aber, dass man dann die Konzerne besteuern sollte. Es ist ja nicht so als hätten sie das Geld nicht“, meint die Demonstratin Marion Bechtel. Dagegen findet die 17-jährige Janina Knutmann aus Essen, dass „staatlicher Eingriff immer eine Art Freiheitsraub ist und man muss die Balance dazwischen finden. Ich denke, dass es anders möglich ist, die Klimakrise zu stopppen.“ Dagegen findet Fred Junghans, dass „die Unternehmen das bezahlen sollten“, statt eine Verbrauchssteuer von 180 Euro pro Tonne CO2 zu erheben.
Bei „Ende Gelände“ steht der Kampf gegen die klimaschädliche Politik der großen Konzerne im Fokus. Während FFF hauptsächlich auf Konsumkritik abzielt, fordern die Veranstalter von „Ende Gelände“ nicht nur den Kohleausstieg, sondern auch einen radikalen gesellschaftlichen Wandel. Auch die Aktionsformen unterscheiden sich gegenüber FFF. Unter dem Motto „System Change not Climate Change“ wollen die Aktivisten mit Mitteln des zivilem Ungehorsams den Betrieb bei RWE stilllegen. Am Samstag führt die Demonstration direkt am RWE-Tagebau „Garzweiler II“ vorbei. Aktivisten von „Ende Gelände“ haben im Vorfeld Aktionseinheiten, sogenannte „Finger“, gebildet. An der Kante des Tagebaus kommt es dann zum Ausbruch der „Finger“. Über 1 500 Aktivisten stürmen an der Polizei vorbei in den Tagebau. Trotz des massiven Polizeiaufgebots schafften die „Finger“, die Infrastruktur von „Garzweiler II“ lahmzulegen.

(Die Namen der Gesprächspartner wurden von der Redaktion geändert)


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