Kein Selbstläufer

Von Gunnar R. Vogel, per E-Mail
|    Ausgabe vom 31. Mai 2019

Ökologischer und antikapitalistischer Kampf, das stellt für uns eine Einheit dar und darf nicht mechanisch gegeneinander gestellt und sogar tendenziell gegeneinander ausgespielt werden – richtig. Exakt das macht zum Beispiel die AfD, wenn sie ihre (nicht vorhandene) „Arbeiterfreundlichkeit“ unter Beweis stellen will, wenn sie vorgibt, für die Braunkohle und ihren Abbau ins Feld ziehen zu wollen, weil das die Arbeitsplätze der Kumpels sichere.
Die eigentliche Crux ist aber eine andere: Karl Marx und Friedrich Engels haben sehr überzeugend hergeleitet, was heute eigentlich niemand mehr bestreiten kann, sofern er noch ernst genommen werden will: Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, genauso wie die Ausbeutung der Natur durch den Menschen, gehören dialektisch zusammen.
So weit, so richtig. Allerdings bedeutet die Aufhebung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen eben nicht zwangsläufig, dass auch die Ausbeutung der Natur durch den Menschen, ihre Entwertung durch Ummünzung zu Kapital und Profit, endet. Es wird nur eine entscheidende Voraussetzung dafür geschaffen, um sie (wenn gesellschaftlich gewollt) beenden zu können: Die gesellschaftliche Planbarkeit wirtschaftlicher Produktion nicht im Interesse der Kapitalisten (die Kaputtalisten sind), sondern im Interesse der Arbeitenden und der gesamten Gesellschaft.
Das bedeutet in der Praxis, dass erst dann – wenn gesellschaftlich vereinbart und gewünscht – wirtschaftliche Produktionsprozesse so gesteuert werden könnten, dass eben minimale Schäden an der Umwelt und damit an unserer Lebensgrundlage zu erwarten sind. Im Idealfalle: gar keine. Doch das ist ein gesellschaftlicher Prozess, der erst erkämpft werden muss – und der sich nicht im Selbstlauf ergibt. (…)
Heute sind die Fake-Grünen durch all die Joschkas dort angekommen, wo die Politkarrieristen schon immer hin wollten: im „grünen“ Kaputtalismus, dessen „Ökologie“ darin besteht, die immer weniger leistbare „Reparatur“ der ökologischen Schäden des Kaputtalismus auf die Bevölkerung und die (noch) Arbeitenden abzuwälzen, vulgo auf die Allgemeinheit.


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Leserbrief zu Artikel »Kein Selbstläufer«, UZ vom 31. Mai 2019





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