Kultursplitter

|    Ausgabe vom 24. Mai 2019

Polizeipläne
Das geplante Festival „Fusion“, seit vielen Jahren im Mecklenburgischen ein Höhepunkt linker, alternativer Kulturveranstaltungen, steht auf der Kippe. Bekannt ist der Termin, es soll vom 26. bis 30. Juni in Lärz stattfinden. Schon seit Langem plant die regionale Polizei, die Veranstalter mit immer neuen Auflagen und mit dem Szenario von ständiger Polizeipräsenz auf dem Gelände zur Aufgabe zu „bewegen“. Jetzt wurde bekannt, dass man eine Arbeit an der Polizeifachhochschule Güstrow in Auftrag gegeben hat, um den Großeinsatz ideologisch zu begründen und polizeitaktisch auszuarbeiten. Ein ehemaliger AfD-Kreisvorsitzender „betreute“ die Mühe, er ist qualifiziert als Dozent für „Einsatzlehre“. Das zuständige Ordnungsamt hat – bis Redaktionsschluss – noch nicht entschieden, ob es den Wünschen der Polizeiführung nachkommen wird oder die Provokation nicht zulässt.

Gelegenheit genutzt
Die Leserinnen und Leser dieser Zeitung gehören mehrheitlich bestimmt nicht zu denen, die sich das Spektakel des „Eurovision Song Contest“ stundenlang antun. Zwei kleine Szenen hätten sich am letzten Samstagabend gelohnt: Die isländische Gruppe „Hatari“ nutzte die Möglichkeiten, bei der langdauernden Punktevergabe Palästinenserfahnen in die Kameras zu halten. Große Aufregung und prompt eine Debatte, ob Island beim nächsten Mal ausgeschlossen werden sollte. Die Europäische Rundfunkunion als Veranstalterin (EBU) prüft willfährig bereits Schritte gegen Island. Auch bei einem Auftritt von Superstar Madonna während der Show hatten zwei Begleit-Tänzer eine israelische und eine palästinensische Fahne gezeigt. Die beiden hielten sich an der Hand. Die EBU betonte anschließend, dieser Teil der Show sei nicht abgesprochen gewesen. Das stimmt sicherlich, denn die Veranstalter wollen möglichst nur die heile Welt von jungen, gestylten Menschen zeigen, die sich alle lieb haben und ihre Liedchen trällern.

Geldtopf
Noch ein Buchpreis mehr: Wenn schon keine sach- und fachgerechte Förderung von Autorinnen und Autoren, dann eben Urkunden und Geld aus diversen Quellen. Im kommenden Jahr wird die deutsche Buchbranche erstmals einen Deutschen Sachbuchpreis vergeben. Die mit insgesamt 42500 Euro dotierte Auszeichnung wird bei der Premiere am 16. Juni 2020 im Humboldt Forum in Berlin verliehen. Der Preis prämiert in deutscher Sprache verfasste nicht-fiktionale Bücher mit Bezug zum Zeitgeschehen, was immer darunter subsumiert werden kann. Wie beim Deutschen Buchpreis, den der Börsenverein alljährlich für die beste literarische Neuerscheinung des Jahres vergibt, sollen die Preisträger in einem mehrstufigen Auswahlprozess von einer Jury gekürt werden. Deren Mitglieder werden von einem Gremium gewählt, bisher ist unklar, wer da dabei sein darf. Hauptförderer des neuen Preises, dessen Gewinner 25000 Euro erhält, ist die Deutsche Bank Stiftung. Man kann sich vorstellen, wie „kritisch“ die Titel sein dürfen und was ganz schnell aus dem Fokus der Jury verschwinden wird.

Schlechte Entscheidung
So geht das: Das Oberste Gericht der USA hat einen Streit um zwei Gemälde des Renaissance-Künstlers Lucas Cranach des Älteren nicht angenommen, soll heißen, damit mag man sich nicht beschäftigen. Im Zweiten Weltkrieg hatten die Faschisten einen jüdischen Kunsthändler in den Niederlanden zum Verkauf der Bilder „Adam“ und „Eva“ gezwungen, seine Schwiegertochter Marei von Saher klagte auf ihre Rückgabe. Allerdings hatte die niederländische Regierung die Gemälde 1971 an ein Museum in Kalifornien verkauft. Damit ist der zweifelhafte Deal rechtskräftig.
Herbert Becker


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