Hauptkriegstreiber oder Hauptfeind?

Von Markell Mann, München
|    Ausgabe vom 3. Mai 2019

Die Debatte um die Bestimmung des Hauptfeinds war und ist in zweierlei Hinsicht zentral für unsere Weltbewegung. Erstens in der Durchsetzung des Imperialismusverständnisses und in Abgrenzung von der Sozialdemokratie. Liebknecht und Lenin formulierten damals als Kommunisten in den Ländern der kriegstreibenden Großmächte: Internationalistisch Seite an Seite gegen die jeweils eigene nationale Monopolbourgeoisie. Zweitens in der Kurskorrektur auf dem 7. Weltkongress und in Folge dessen für den antifaschistischen und antikolonialen Kampfes.
Doch: Mit dem KI-Kongress 1935 wurden Fehler korrigiert und Strategien gegen Krieg und Faschismus unter Berücksichtigung der nationalen Besonderheiten entwickelt. Dort wurde nicht Liebknechts Aussage korrigiert! Eingeworfen wird durch Togliattis Rede die wichtige Unterscheidung in politisch aggressive imperialistische Staaten und in imperialistische Staaten, die den Status Quo der internationalen Ordnung erhalten wollen. Das negiert nicht ihren imperialistischen Charakter. Damit ergibt sich die Notwendigkeit der Bestimmung des Aggressors auch in zwischenimperialistischen Konflikten. Togliatti verwendet die Begriffe Hauptfeind und Hauptkriegstreiber synonym, Hans Peter Brenner auch (siehe letzte zwei Abschnitte).
Gegen Äquidistanz und gegen Relativierung des hauseigenen Imperialismus hilft uns vielleicht Klarheit der Begriffe. Auf einer öffentlichen Veranstaltung der DKP München kürzlich fand in der kontroversen Diskussion ein Vorschlag breitere Zustimmung: Wir sollten begrifflich zwischen dem Hauptkriegstreiber und dem Hauptfeind trennen. Ersterer ergibt sich aus der konkreten Analyse der internationalen Verhältnisse, zweiter ergibt sich für uns Kommunisten im imperialistischen Zentrum aus einer grundsätzlichen Gegnerschaft zur bestehenden Ordnung.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Hauptkriegstreiber oder Hauptfeind?«, UZ vom 3. Mai 2019





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.