Organe auch für Spekulanten?

Von Hans Reinhardt, Glashütten
|    Ausgabe vom 3. Mai 2019

So ist das nun also. Wegen eigener Unfähigkeit in Sachen Information und Aufklärung wirft man jetzt ein besonders feinmaschiges Netz aus, um alle, die sich nicht von vornherein als inhumane, egoistische Menschenfeinde bezeichnen lassen möchten, darin in kollektiver Spendergeiselhaft zu halten.
Grundsätzlich ist gegen Organspenden nicht viel einzuwenden, aber auch hier ist nicht alles schwarz oder weiß. Dabei ist es nicht mal der mehrfache Herzklappenaustausch, vor Jahren an einer VIP vorgenommen, und es sind auch nicht die – längst in Vergessenheit geratenen – Manipulationen an Wartelisten. Bedacht sollte aber werden: Wer verfügt, dass keine lebensverlängernden Maßnahmen gewünscht sind, wird als Spender trotzdem so lange am „Leben“ gehalten, bis alle Vorbereitungen zur Transplantation getroffen sind. Organe haben kein MHD. Das alles könnte ich – mit Abstrichen – vielleicht noch hinnehmen.
Was aber meine Toleranzgrenze auf jeden Fall sprengen würde, wäre die – zugegeben fiktive, aber nicht unmögliche – Vorstellung, eines meiner Organe bekäme der Vorstand eines Immobilienkonzerns (…) oder eine Regierungsperson, die wirtschaftsbuckelnd die Bedürftigsten im Land vergisst und gleichzeitig Rüstungsexporte befördert, die Unschuldige ermorden. Bei dem Gedanken, so jemanden durch eines meiner Organe ein längeres Leben zu gewähren, damit der/diejenige sein/ihr verbrecherisches Treiben fortsetzen könnte, würde sich dass, was nach meinem „Ausschlachten“ noch vorhanden, im Grab umdrehen.


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