Nicht.

Bundesliga, Bananen-Kaffee und Aerobic-Stulpen
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 22. März 2019

Chuck war da mit Gattin, Gartenbro A. mit wirren Haaren, M. mit seinem kaputten Herzen, der Rastamann aus dem Senegal, den ich nur als Schürrle kenne, die schöne M. nebst Hund und natürlich U., der Mann ohne Zähne, von dem man nie so genau weiß, ob er nicht noch vom letzten Spieltag hier sitzt. Er wankte dann auch bereits zur Halbzeit nach Hause, weil „Meine Mudda ist krank“. Prima Idee, in dem Zustand mal nach ihr zu sehen. Nicht.
Das Spiel verlangte uns alles ab, den Spielern wie den Fernsehglotzern. Zweimal brachte der Berliner Kalou die Gäste in Führung, zweimal hechelte der BVB hinterher. Dortmund war besser, aber im Zweifelsfall war die Latte im Weg. Bis in die zweite Minute der Nachspielzeit reihte sich Bier an Bier und Kippe an Kippe, bis der nervöse Haufen endlich explodieren konnte. 3:2 durch Marco Reus! Der dämliche Ibisevic holte sich drei Minuten später gar noch eine rote Karte ab, wegen Unsportlichkeit. Uns war‘s egal, gewonnen.
Und sonst? Bayern marschiert in alter Bayern-Tradition, 6:0 gegen Mainz. Ich habe gleich gesagt, die Idee von Löw, drei Bayern-Spieler aus der Nationalmannschaft zu werfen, geht für uns nach hinten los. Schalke (mit Stevens) und Hannover (mit Doll) drehen die Zeit in die 80er Jahre zurück, nur Schulterpolster und Aerobic-Stulpen fehlen den beiden Trainern zur Vollendung. Hilft ihnen aber auch nichts, beide verloren. Der FC Augsburg krabbelt immer weiter hoch und Bremen holte erstaunlicherweise 3 Punkte in Leverkusen. Und Frankfurt ist auch weiter auf Höhenflug. Respekt.
Und noch? Uli Hoeneß hat die umstrittenen Pläne des Fußball-Weltverbandes Fifa zur Einführung einer Klub-WM ab 2021 begrüßt. „Die Klub-Weltmeisterschaft finde ich super.“ Finde ich auch. Wenn die Bayern dann zusätzlich 875 384 750 325 Milliarden Euro verdienen, wird die Bundesliga sicherlich ganz viel doll interessanter. Muss man sich auch nicht mehr so maue 6:0 reinpfeifen, bei denen sich das Münchener Stadion bereits in der 70. (!) Minute zu leeren beginnt. Da werden die Spiele dann gleich zwei- oder dreistellig, Juchhei, was eine Spannung! Nicht.
Ich ging nach dem Spiel noch mit Gartenbro A. und der schönen M. nebst Hund ins Café Banane, einen wilden Punkschuppen, in dem es alles gibt außer Kaffee Banane, was möglicherweise der Witz daran ist. Aber die Laune der schönen M. ließ uns irgendwie wenig lachen. Hätte ich nur die Traute, ich würde es angehen wie einst Andreas Möller und ihr sagen: „Ich denke, dass ich auch jemand bin, den man sehr gut anfassen kann.“ Äh, oder auch: Nicht.


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Leserbrief zu Artikel »Nicht.«, UZ vom 22. März 2019





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