Ein Weg aus der Wüste?

Wie USA und Dschihadisten syrische Flüchtlinge an der Rückkehr aus den Lagern hindern
Von Manfred Ziegler
|    Ausgabe vom 22. März 2019
Trotz Störmanövern der US-Armee kehren viele Flüchtlinge nach Syrien zurück und bauen ihr normales Leben wieder auf. Hier Schüler der Al-Shuhada-Schule in Suran am 6. März. (Foto: © UNHCR/Andrew McConnell )
Trotz Störmanövern der US-Armee kehren viele Flüchtlinge nach Syrien zurück und bauen ihr normales Leben wieder auf. Hier Schüler der Al-Shuhada-Schule in Suran am 6. März. (Foto: © UNHCR/Andrew McConnell )

Jahrelang flohen die Menschen aus Syrien, jetzt beginnen sie zurückzukehren. Viele kommen über die Grenze zum Libanon. Viele kommen auch aus den Flüchtlingslagern in Jordanien. Im Februar beschrieb die „BBC“ das Geschehen am Grenzübergang Jaber an der Grenze zu Jordanien, wo neben vielen Händlern, die Waren ein- und ausführen, und Besuchern aus anderen arabischen Ländern auch Rückkehrer aus den Flüchtlingslagern in Jordanien die Grenze überschreiten – trotz der Probleme, denen sie sich gegenübersehen. Sind die Gebiete, in die sie zurückkehren sicher, ist die Infrastruktur wiederhergestellt, haben sie überhaupt die Ressourcen, um ihre Existenz wieder aufbauen zu können? Wie steht es um den versäumten Wehrdienst?
Eine besondere Rolle kommt dem Flüchtlingslager Rukban zu. Es liegt in der Nähe von al-Tanf an der Grenze zu Jordanien, das unter Kontrolle der USA und verbündeter dschihadistischer Gruppen steht. Das Lager entstand, als Flüchtlinge vor den Kämpfen in der syrischen Wüste und der Provinz Sueida nach Jordanien fliehen wollten und vor dem Nichts standen, als die jordanische Regierung die Grenze schloss.
Die USA betrachten das Gebiet um al-Tanf als ihre Provinz und wachen eifersüchtig darüber. So kam es in der Vergangenheit mehrmals zu schweren Angriffen der USA, als syrische Armeeeinheiten sich al-Tanf näherten.
Die Situation im Flüchtlingslager von Rukban ist katastrophal. Zehntausende Menschen leben hier in der Wüste, in Lehmhäusern und Zelten. Nahrungsmittel und vor allem Wasser sind schwer zugänglich oder werden zu weit überhöhten Preisen abgegeben. Die Bewohner des Camps sind überwiegend Frauen und Kinder.
Im Februar kam ein Hilfskonvoi der UN und des syrischen „Roten Halbmondes“ mit 130 Lastwagen nach Rukban und lieferte unter anderem Nahrung, Medikamente und warme Kleidung. Immer wieder scheiterten in der Vergangenheit Hilfslieferungen an fehlenden Sicherheitsgarantien durch die USA und den dadurch erschwerten Verhandlungen mit den Dschihadisten in Rukban.
Die syrische Regierung und das russische Militär arbeiten daran, das Lager zu evakuieren. Zwei Korridore wurden eingerichtet, Krankenhäuser und Aufnahmezentren vorbereitet und Busse bereitgestellt, um die Beförderung zu ermöglichen. Doch das US-Militär als Besatzungsmacht verweigerte offenbar den Bussen die Durchfahrt nach Rukban, wie Sergej Solomatin, Vorsitzender des Russischen Zentrums für Versöhnung in Syrien, mitteilte. Auf jeden Fall gibt es keine Sicherheitsgarantien gegen Angriffe der Dschihadisten, die das Lager kontrollieren – und wie die sogenannte „Revolutionäre Kommandoarmee“ als Verbündete der USA gelten.
Amin Awad, Koordinator für Flüchtlingsfragen der UNHCR, erklärte in einem Interview, es müssten Lösungen gefunden werden, um die Familien aus diesem Lager nach Hause zu bringen. Dazu braucht es finanzielle Unterstützung und Hilfe. Nach Ansicht der USA und ihrer Partner ist die Zeit nicht reif für eine Rückkehr der Flüchtlinge. Doch angesichts der Zustände in Rukban ist eine Rückkehr längst überfällig. Die Busse und Betreuungseinrichtungen der syrischen Regierung stehen nach wie vor bereit.


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