Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 8. Februar 2019

Wichtiger Sieg
Zehn Tage lang haben sich beim „Sundance Filmfestival“ in der kleinen Stadt Park City im US-Bundesstaat Utah wieder unabhängige Kino-Produktionen vorgestellt. Gegründet 1978, seit 1981 besonders von Robert Redford unterstützt, zählt es zu den wichtigsten Plattformen für Independent-Filme. Quentin Tarantino, Jim Jarmusch, die Coen-Brüder wurden hier einem breiteren Publikum erstmals bekannt. Mittlerweile zum 35. Mal fand es jetzt statt, der Hauptpreis ging an das Drama „Clemency“ von Chinonye Chukwu, das sich um eine Wärterin in einem Hochsicherheitsgefängnis dreht, die sich mit Hinrichtungen unter ihrer Verantwortung auseinandersetzen muss. Die Filmemacherin Chukwu hat eine neue Barriere durchbrochen: Sie ist die erste schwarze Frau, die den Großen Preis der Jury für ihre US-amerikanische Produktion gewonnen hat. Voller Stolz meldete das Festival, dass 53 Prozent aller eingereichten Filme von Frauen verantwortet wurden und das die Hälfte aller Filme von Künstlern eingereicht wurden, die keine weiße Hautfarbe haben. Die kolumbianische Produktion „Monos“ von Alejandro Landes gewann einen Spezialpreis der Jury, dieser Film wurde als Koproduktion von einigen europäischen Anstalten mitfinanziert.
Scharfer Kritiker
Der Karikaturist Gerhard Haderer ist am letzten Sonntag im Deutschen Theater in Göttingen mit dem Satirepreis „Göttinger Elch“ ausgezeichnet worden. Göttingen ist die Stadt des Aphoristikers Georg Christoph Lichtenberg, der im 18. Jahrhundert die Satire zur literarischen Kunstform erster Güte machte. „Seit mehr als 30 Jahren ist Haderer der Chronist unserer Geschichte mit all ihren Widrigkeiten und Skandalen“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Haderer wurde 1951 im oberösterreichischen Leonding bei Linz geboren. Mit seinen fotorealistischen Cartoons geht er zornig und mit beißendem Spott auf die Großkopferten los, er riskiert auch Anzeigen wegen angeblicher Blasphemie und Beleidigung, so was perlt an ihm ab. Der Elchpreis wird für ein satirisches Lebenswerk vergeben und ist mit 3 333 Euro und einer silbernen Elchbrosche dotiert. Haderers Cartoons erscheinen unter anderem in den Zeitschriften „Titanic“, „Geo“, „Wiener“ und „Trend“. Bereits am Samstag wurde im Alten Rathaus der Stadt eine Ausstellung mit rund 140 Arbeiten des Künstlers eröffnet. Haderer reiht sich ein in die illustre Gesellschaft von Preisträgern wie Robert Gernhardt, Georg Schramm und Max Goldt.
Kölner Ängste
Carl Philip von Maldeghem wird ab 2021 Intendant des Kölner Schauspiels. Das gab die Stadtverwaltung gerade bekannt, ohne große Ausschreibung, ohne unerwünschte öffentliche Debatte. Da der Neubau des Kölner Stadttheaters immer noch nicht fertig ist, und, wie sollte es auch anders sein, viel teurer wird als geplant, wollte man wohl mit dieser schnellen Entscheidung ein wenig Ruhe in Köln haben. Von Maldeghem ist nicht gerade für innovatives, experimentierfreudiges Theater bekannt, seine bisherigen Stationen beim Alten Schauspielhaus in Stuttgart als auch seine aktuelle Intendanz beim Landestheater Salzburg sind geräuschlos unauffällig. Er kommt beim bürgerlichen Abonnementspublikum gut an, seine Programme bedienen die Erwartungen und auch für Köln ist von ihm nichts anderes zu erwarten. Dass dies für die Kölner Kulturpolitiker den Ausschlag gegeben hat, sich neben dem berechtigten Ärger über den Neubau nicht auch noch die Kritik des braven Kölner Bürgers einzuheimsen, mag man mit Fug und Recht behaupten. Die Vorstellung des neuen Intendanten in Köln war entsprechend blass, man wollte bloß kein großes Aufsehen und es schnell über die Bühne bringen.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 8. Februar 2019





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