Gesamten Abschluss betrachten

Von Rainer Perschewski, Berlin
|    Ausgabe vom 25. Januar 2019

Jeder Tarifabschluss hat Haken – auch der der EVG. Allerdings muss man bei einer Kritik auch den gesamten Abschluss betrachten.
Aber zunächst einmal ist die Rechnung von Joachim Schubert nicht richtig. Die 1 000 Euro Einmalzahlung sind im Zusammenhang mit den Vergütungsgruppen zu sehen. Dadurch haben die Beschäftigten in der Masse des Ecklohnbereiches mehr als 3,5 Prozent, und je höher sie in der Lohnskala stehen, desto niedriger. Dann ist für 2019 für die Zulagenstruktur noch 0,7 Prozent vereinbart und es gibt ein Prozent mehr auf die Altersvorsorge mit einem Mindestbetrag.
Im 2. Jahr geht der TV nur bis zum Frühjahr – somit wird es 2021 eine weitere Lohnerhöhung geben. Dazu sind 120 Euro Erhöhungen der Azubi-Vergütungen, Erhöhungen des Mietkostenzuschusses und eine deutliche Anhebung des Urlaubes vereinbart worden. Es gibt über 30 Details. Beispiel: Der bezahlte Urlaub von bis zu 12 Tagen mehr ist Brutto gleich Netto und kann sogar verzinst angespart werden. Eine Möglichkeit, die sehr gut ankommt.
Macht der Tarifabschluss den anderen Gewerkschaften das Leben schwer? Im Gegenteil, aus den DGB-Mitgliedsgewerkschaften wird signalisiert, dass die kleine EVG es geschafft hat, das Thema Arbeitszeitverkürzung mit dem Abschluss im Jahr 2016 überhaupt erst wieder hoffähig gemacht zu haben. Das Schöne ist, dass wir tatsächlich auch in den Belegschaften wieder über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen reden und durch das Verfahren zur Aufstellung unserer Forderungen (siehe UZ vom 5. Oktober) die Mitglieder immer mehr einbeziehen, so dass ihre Forderungen sich auch in der Tarifkommission wiederfinden.
Ich war anfänglich skeptisch, aber ich kann die bisherigen Reaktionen aus Gesprächen und Versammlungen nur so zusammenfassen: Wer hätte gedacht, dass wir zwei Mal hintereinander so einen guten Abschluss hinbekommen?


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