Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 11. Januar 2019

Fälscher am Werk
Robert Menasse, ein mit vielen Literaturpreisen bedachter österreichischer Schriftsteller, will seine Ideen von „Europa“ mit allen Mitteln durchsetzen. Seine Satire „Die Hauptstadt“ erschien 2017 und spielte in der Brüsseler EU-Bürokratie. Dafür bekam er den Deutschen Buchpreis. Jetzt präsentierte er erneut seine Vision eines europäischen Einigungswerks, dessen Grundvoraussetzung die Aufhebung der Nationen sei. Diese schräge Idee versuchte er bisher nur in Romanen unterzubringen, aber nun scheut er nicht vor Fälschungen und Verdrehungen zurück. Das frühere EWG-Kommissionspräsident Walter Hallstein habe für den Supernationalstaat Europa plädiert, die dafür von Menasse erdachten Zitate fassten nur zusammen, wofür Hallstein als Kommissionspräsident sowieso eingestanden sei. Von dem Auschwitz-Auftritt Hallsteins, den es nie gegeben hat, habe ihm „im Zuge seiner jahrelangen Recherchen in der Kommission tatsächlich jemand erzählt“. Das muss ein versierter Erzähler gewesen sein. Die These, „Europa“ sei als Reaktion auf Auschwitz gegründet worden, ist reine Geschichtsfälschung. Das Bundesland Rheinland-Pfalz erwägt, Menasse die eigentlich am 19. Januar zugedachte „Carl-Zuckmayer-Medaille“ nicht zu verleihen. Menasse selbst will den Spieß umdrehen und fabuliert nun von „erregten oder höhnischen Journalisten und Bloggern“. Jene, die ihm nun „Fälschung, Bluff und Lüge“ vorwürfen, beförderten nur das Werk der Nationalisten. So dreht und windet er sich, das kennt man bereits von anderen.

Die nächste „Fusion“
Die Eigentümer der „Westfälischen Nachrichten“ mit Sitz in Münster und des „Westfalen-Blatts“ in Bielefeld verstärken ihre bisherige Zusammenarbeit, die eh schon zu Lasten der Redaktionen getestet war, und schließen sich zusammen. Das Geschäft mit Tageszeitungen, Anzeigenblättern, Druckereien und Radiosendern wird seit dem 1. Januar 2019 in der „Westfälischen Medien Holding AG“ geführt. Der Zusammenschluss steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt, aber von dort kamen bisher bei solchen Zusammenlegungen kaum Einwände Antreiber dieser Fusion ist die Aschendorff-Gruppe aus Münster, im Ergebnis wird die Gründung einer gemeinsamen Medienholding die endgültige Übernahme des Bielefelder „Westfalen-Blattes“ sein. Frank Stach, der NRW-Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) äußert seine Befürchtung und fordert, „nicht die Billigpraxis aus Münster ohne tarifliche Bezahlung und Arbeitsschutz für Bielefeld zu übernehmen“. Aber genau das ist gängiges Geschäftsmodell und kann ohne Widerstand auch geräuschlos durchgesetzt werden.

Viel Nebel
Die Leipziger Buchmesse rechnet in diesem Jahr (21. bis 24. März) mit mehr als 2 600 Ausstellern, ähnlich viele wie 2018. Der Anteil der ausländischen Aussteller sei inzwischen auf 20 Prozent gestiegen, verkündete Buchmesse-Direktor Oliver Zille. „In den Vorjahren seien Italien, die Niederlande, Portugal und die Türkei dazugekommen. In diesem Frühjahr wird sich Tschechien als Gastland mit einem großen Programm präsentieren. Die Messe will eine neue Diskussionsreihe starten. Beleuchtet werden sollen die Umbrüche im sogenannten Ostblock vor 30 Jahren und die Folgen. Näheres ist noch nicht bekannt. Mit Blick auf die rechten Verlage sagte Zille: „Oberstes Gebot ist: Einzelne Stimmen, die besonders laut sind, sollen die Buchmesse nicht dominieren. Darauf haben wir – auch im Interesse aller 2 600 Teilnehmer – zu achten.“ Die Veranstalter wollen aktuell über Sicherheitskonzepte und Platzierungen nachdenken. Also nur ein wenig tricksen, aber keine konsequente Haltung.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 11. Januar 2019





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