Kneipenquiz mit Folgen

… auch wenn man keine Ahnung hat
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 4. Januar 2019

Statt beim Wochentagsspiel war ich mit der schönen M., Gartenbruder A. und einigen anderen beim Kneipenquiz. Nur U., den Mann ohne Zähne, hatten wir zu Hause gelassen. Sein Gebrummel hätte ja doch niemand verstanden. Dortmund verlor derweil mit 1:2 beim Aufsteiger Düsseldorf. Entweder ich weiß so etwas vorher oder ich bin ein schlechtes Omen. Zwei Spiele habe ich bisher nur verpasst, das eine gegen Monaco (0:2) und jetzt dieses. Dortmund-Fans sollten also hoffen, dass ich in der Rückrunde nicht länger krank werde oder in eine wohlverdiente dreimonatige Kur nach Bad Lungerückenknieheilemach fahre.
Einen Halbjahresbericht zu schreiben, bevor das letzte Hinrundenspiel ausgetragen ist, ist eigentlich doof. Aber anders geht es grad nicht – die Zeitung muss vorm Gladbach-Spiel in den Druck gehen.
Gewinner bis hier hin? Dortmund, na klar. Gladbach und Frankfurt, ganz sicher. Dortmund schoss bislang 42 Tore, die Gladbacher 35 und die Frankfurter 34. Das ist mächtig. Schalke schaffte gerade mal 17, der VfB Stuttgart gar nur 11. Abstiegsverdächtig beide, und damit zwei der Verlierer bis hierher. Auf die gute Seite würde ich noch Freiburg stellen, die mit immerhin 18 Punkten auf Platz 12 stehen und, aufgrund der letzten Ergebnisse, Düsseldorf. 4:1 gegen Hertha, 3:3 gegen Bayern, 2:1 gegen Dortmund. Chapeau! Dafür kommt auf die schlechte noch Leverkusen: 21 Pünktchen und Platz 10 sind mit dem Kader eigentlich ein Witz, nur eben ein schlechter.
Und natürlich Uli Hoeneß, Karl Heinz Rummenigge und ihr FC „Mia san Mia“. Eigentlich egal ob sie doch noch den Titel holen. Die absurde Brandrede, die Trainerschelte einer Spielerfrau, das Gehaspel von „Sportdirektor“ Hasan Salihamidzic, die Animositäten ältlicher „Stars“ – das Bild des selbsternannten besten Clubs Deutschlands wurde in der Hinrunde zu einer Karikatur. Soll mir recht sein.
Beim Kneipenquiz schlugen wir uns übrigens achtbar: Der fünfte von zwölf Startplätzen war letztlich unserer. Meinen Beitrag zu den dazu geforderten Antworten nur gering zu nennen, wäre dabei allerdings schlichtweg eine Untertreibung. Aber bei Spielen bin ich eh eher so wie Mehmet Scholl: „Meine Unbekümmertheit wandelte sich in kontrollierte Spontanität.“ Da ist es dann auch nicht so schlimm, wenn man keine Ahnung hat.


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