Zu mager

Von Herbert Münchow, Leipzig
|    Ausgabe vom 21. Dezember 2018

Die unbedingt notwendige Würdigung Wolfgang Abendroths und auch die von Ernst Bloch, die ich überhaupt nicht mit dem Begriff „Antikommunismus“ (egal welcher Spielart) in Zusammenhang bringen würde, auf „Aufrichtigkeit“ und die Erwähnung der Tatsache zu reduzieren, dass beide „…übrigens zu Rosa Luxemburg und zur Novemberrevolution (arbeiteten)“ reicht keineswegs aus, um ihrer Bedeutung als Marxisten und Sozialisten gerecht zu werden, das ist zu mager. Genosse Baumann wollte sie wohl positiv herausheben, aber dazu gehört doch mehr.
In einem vom MSB Spartakus veröffentlichten Nachruf heißt es: „Abendroth kommt das riesige Verdienst zu, den Marxismus an die Universitäten dieses Landes zurückgeholt zu haben. Dies gelang ihm ohne jede Konzession an borniertes Zirkelwesen oder akademische Abgehobenheit … Das Wichtigste aber ist: Wolfgang Abendroth lehrte uns die Einheit. Und die Verantwortung für sie. Er verstand sie nie als konturlosen Brei. Im Gegenteil: Er brachte uns bei: Es gibt sie ernsthaft nur, wenn Differenzen offengelegt, Gemeinsamkeiten bei Respektierung des je Besonderen ausgelotet werden.“
Zu Ernst Bloch hat sich Wolfgang Abendroth in einem Nachruf geäußert: „In jedem wichtigen politischen Kampf in der BRD hat er seinen Mann gestanden. Er ist der große alte Mann sozialistischen philosophischen Denkens geblieben, den wir brauchen. Wir werden ihn noch lange brauchen. Wir werden die Anknüpfung an sein Denken notwendig haben, solange Demokratie und Sozialismus, solange der Sieg der Humanität noch nicht erkämpft sind.“
Wir alle können von Wolfgang Abendroth noch sehr viel lernen. Jupp Schleifstein, Hans-Heinz Holz (ein Schüler von Ernst Bloch), Robert Steigerwald, Georg Fülberth (um nur einige Genossen zu nennen) – sie alle profitierten von Abendroth, auch der MSB Spartakus, und diskutierten sehr offen und streitbar miteinander.


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