Nur eine Kraft: Die des Klassenkampfes

Dokumente zur Entstehung der KPD

Von Kurt Baumann
|    Ausgabe vom 7. Dezember 2018

Rücksichtsloser Klassenkampf
Aus Karl Liebknechts Broschüre „Klassenkampf gegen den Krieg“

„Alle möglichen Lösungen des Kriegsrätsels sind in einem imperialistischen Kriege imperialistisch, Lösungen der militaristischen Vergewaltigung, unter denen es für die Sozialdemokratie keine gibt, für die sie eintreten könnte.
Wohl hat die Sozialdemokratie ihren Einfluss für eine dem internationalen Proletariat möglichst nützliche oder möglichst wenig schädliche Lösung einzusetzen. Dazu hat es aber nur eine Kraft, die Kraft des Klassenkampfes. Außerhalb des Klassenkampfes ist das Proletariat machtlos. Rücksichtslos geführter Klassenkampf, rückhaltlose Opposition kann ihm allein den überhaupt möglichen Einfluss auch auf die Kriegsgestaltung, auf das Kriegsziel verschaffen.
Die geschichtliche Funktion des Proletariats im Kriege ist nicht das Eintreten für den Krieg, die Schürung des Völkerhasses, die Stärkung der Kriegsbegeisterung. Das Kriegshetzen besorgen schon ganz andere Leute, denen es ihre geschichtliche Funktion gebietet.
Kurzsichtigkeit nur kann die Haltung der Sozialdemokratie im Kriege von der jeweiligen militärischen Situation abhängig machen wollen. Eine feste, klare, konsequente Haltung ist so nicht möglich, sie kann nur auf dem festen Boden einer klaren, prinzipiellen Auffassung erwachsen. Ein festes Orientierungsprinzip ist nötig, und das kann nur der geschichtliche Charakter des Krieges sein. Und dieser Charakter ist der imperialistische, der des kapitalistischen Eroberungskrieges.
Dieses Wesen des Krieges kann das Proletariat nicht willkürlich verändern; es besitzt ja, wie gezeigt, kaum die Macht, das imperialistische Kriegsziel nennenswert mitzubestimmen.
Auch von der Einwirkung des Proletariats auf die Beendigung des Krieges gilt das Gesetz: Nur im Klassenkampf ist sie möglich. Jede Friedensaktion der Sozialdemokratie – gleichviel welcher Art – wird nur so viel Macht besitzen, wie sie internationales Echo erweckt, und dieses internationale Echo wird stets nur so stark sein wie die revolutionäre Kraft, von der sie getragen wird. Die Sozialdemokratie jedes Landes aber hat das Recht, im Namen der Internationale zu sprechen, und die Möglichkeit, international zu wirken, sobald sie sozialistisch redet und sobald sie sozialistisch kämpft gegen Militarismus und Kapitalismus.“

Auszug aus einem Vortrag in Berlin-Neukölln vom Januar 1915, in: Klassenkampf gegen den Krieg.


Unheilvolle Verwirrung
Die erste Nummer der „Internationale“, April 1915:

Der einleitende Artikel benannte die Aufgabe der Zeitschrift und den Anspruch, den sie an sich selbst stellte: „Unsere Aufgabe ist die gleiche, wie die der ersten internationalen Monatsschrift, die Karl Marx herausgab: Selbstverständigung über die Kämpfe der Zeit. Die Selbstverständigung ist notwendig geworden durch die unheilvolle Verwirrung, die die Wirbel des Weltkrieges in der internationalen und zumal der deutschen Arbeiterwelt hervorgerufen haben. So gilt es von neuem, die einigende, sammelnde und stärkende Kraft zu erproben, die der Marxismus noch in jeder Schicksalsstunde des proletarischen Emanzipationskampfes bewährt hat. Das Bekenntnis zu seiner Praxis und Theorie ist das einfache Programm dieser Zeitschrift.“

In: Die Internationale, Heft 1/1915


Der Dienst der Parteiführer
Rosa Luxemburg beschrieb in derselben Zeitschrift, wie die SPD-Mehrheit die Arbeiter den Kriegshetzern unterordnete:

„Die Dienste, die (die deutsche Sozialdemokratie) der deutschen Kriegsführung seit dem 4. August geleistet hat und jeden Tag leistet, sind unermesslich. Die Gewerkschaften, die mit dem Ausbruch des Krieges alle Lohnkämpfe an den Nagel gehängt haben und alle Sicherheitsmaßnahmen der Militärbehörden zur Verhütung von Volksunruhen mit dem Nimbus des ‚Sozialismus‘ umgeben; die sozialdemokratischen Frauen, die ihre ganze Zeit und Kraft der sozialdemokratischen Agitation entziehen, um sie, Arm in Arm mit bürgerlichen Patriotinnen, zur Beschwichtigung notleidender Kriegerfamilien zu verwenden; die sozialdemokratische Presse, die mit einigen Ausnahmen ihre Tageblätter, Wochen- und Monatsschriften dazu gebraucht, um den Krieg als nationale Sache und als Sache des Proletariats zu propagieren, um je nach Wendung des Krieges die Russengefahr und die Greuel der Zarenregierung auszumalen, das perfide Albion (England) dem Hasse des Volkes preiszugeben, über die Aufstände und Revolutionen in fremden Kolonien zu jubeln, die Wiedererstarkung der Türkei nach dem Kriege zu prophezeien, den Polen, Ruthenen und allen Völkern die Freiheit zu versprechen, der proletarischen Jugend kriegerische Tapferkeit und Heldenmut beizubringen, – kurz, die öffentliche Meinung und die Volksmasse vollkommen für die Ideologie des Krieges zu bearbeiten; die sozialdemokratischen Parlamentarier und Parteiführer endlich, die nicht bloß Geldmittel für die Kriegsführung bewilligen, sondern jede beunruhigende Regung des Zweifels und der Kritik als ‚Quertreiberei‘ in den Volksmassen schneidig zu ersticken suchen, ihrerseits aber durch persönliche Dienste diskreter Natur wie durch Broschüren, Reden und Artikeln von echtestem deutsch-nationalem Patriotismus die Regierung unterstützen – wo war ein Krieg in der Weltgeschichte, in dem Ähnliches geschah?“

Aus: Der Wiederaufbau der Internationale, in: Die Internationale, Heft 1/1915


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