So macht man das

Schwarzgelb eiskalt
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 30. November 2018

( pixabay/UZ)

Es war ein Hundewetter auf dem Weg zum Fußball, eiskalt, ein Grad und Nieselregen. Passte zu meiner Laune, die schöne M. hatte den geplanten Abend mit mir nach dem Fußball abgesagt, sie „will eine Freundin besuchen“. Frechheit. Im geheiztem Vorzelt dann gefühlte kuschelige sieben Grad, erst mal der Jacke entledigen und den Rest begrüßen. Deutschlands irrster Taxifahrer W. bekommt ebenso eine Umarmung wie U., der Mann ohne Zähne, Gartenkumpel A. sowieso und der Mann ohne Namen auch, der schon seit Jahren bei uns sitzt, aber eben namenlos ist. Und „Schürrle“, der schwarze Reggaemann, der genau wie ich immer vehement Schürrle fordert, der gar nicht mehr bei uns spielt. Alter Witz aus den vergangenen Spielzeiten. Die schöne M. bekommt ein knappes „Hi“. So macht man das.
Die Borussia hatte ihre Mühen mit einem starken Gegner aus Mainz. Letztere spielten gemein, bissig und mit aller Härte, die gerade noch so erlaubt ist. Das Spiel war nicht schön, aber schön aufregend, im wahrsten Sinne des Wortes. Erst nachdem Super-Paco eingewechselt wurde, jubelte der Tross: keine zwei Minuten später stand es 0:1 durch … Paco. Krass. Die wilden Mainzer glichen fast postwendend aus und als es hin und her ging, haute der schon von vielen ins Altersheim gewünschte Piszczek die Kugel aus ca 15 Metern genau unters Lattenkreuz. Gewonnen, mit viel Glück, aber eben gewonnen. So macht man das.
Dann kam vom Nebentisch die unerwartete Kunde, dass Düsseldorf in München nach einem 3:1-Rückstand noch in der letzten Sekunde ausgeglichen hatte. Komplett unfassbar. Die Münchener sind nun weiter vom Titel weg als Friedrich Merz von seinem „gehobenen Mittelstand“. Und das will ja was heißen. Jetzt wurde die schöne M. doch noch von mir aufs Hübscheste geherzt, man muss ja auch verzeihen können. So macht man das.
Derweil hatten die nicht zu tippenden Wolfsburger, die mal völlig planlos gegen Freiburg oder Hannover verlieren, das Millionärsspielzeug aus Leipzig geschlagen. Schön. Frankfurt gewinnt munter weiter und Gladbach ebenfalls. Spannend da oben in der Tabelle. Spannend auch, was nun in München mit Trainer Kovac passiert. Dass Boss Hoeneß ihn weiterhin „bis aufs Blut verteidigen“ wird, fällt wohl eher in die Kategorie „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“.
Ich trollte mich dann schnell nach Hause in die heiße Badewanne. Mitsamt Handy, um erst mal eine Stunde lang auf schwatzgelb.de alle Jubelchöre zu lesen. „Wir werden Meister!“ Ja, nee, ist klar. Ich halte es da mal lieber mit Kultkicker Andy Brehme: „Uns steht noch ein hartes Programm ins Gesicht.“ Das sehe ich auch so, vor allem bei meinem Gesicht, und halte den Ball mal ganz flach. Weil: So macht man das.


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