Die rote Fahne

|    Ausgabe vom 16. November 2018

Schon die Gründung der „Roten Fahne“ war ein revolutionärer Akt: Arbeiter besetzten am Abend des 9. November, eines Samstags, das Redaktionsgebäude und die Druckerei des reaktionären „Berliner Lokal-Anzeigers“. Die Setzer fertigten das Blatt, doch die Drucker weigerten sich, die Rotation anzuwerfen. Denn eine hastig erlassene Verfügung der Ebert-Regierung untersagte die Konfiskation privaten Eigentums – was der konterrevolutionären Presse das Monopol gesichert hätte. Erst nach einer mitreißenden Rede der rasch herbeigeeilten Rosa Luxemburg – am Vortag war sie aus dem Breslauer Gefängnis entlassen worden – wird die Rotation angeworfen.
Die Nr. 2 der „Roten Fahne“ vom 10. November sollte dennoch die letzte Ausgabe aus dem Gebäude des „Lokal-Anzeigers“ bleiben. Die Ebert Scheidemann-Regierung schickte ihr ergebene Soldaten, die das Haus von revolutionären Redakteuren räumten. Es dauerte sieben Tage, bis das Blatt mit der Nummer 3 erscheinen konnte und dem stolzen Untertitel „Zentralorgan des Spartakusbundes“.

 

Rosa Luxemburg im Oktober 1918:
„Der Regierungsozialismus stellt sich mit seinem jetzigen Eintritt in die Regierung als Retter des Kapitalismus der kommenden proletarischen Rvolution in den Weg. Die proletarische Revolution wird über seine Leiche hinwegschreiten.“

Vollzugsausschuss des Arbeiter-und-Soldaten-Rats Berlin, 8. November 1918:
„Arbeiter, Soldaten, Genossen! Heraus aus den Betrieben! Heraus aus den Kasernen!“

„Vorwärts“, 9. November:
„Arbeiter, Soldaten, Bürger! Der Sieg des Volkes ist errungen, er darf nicht durch Unbesonnenheiten entehrt und gefährdet werden. Wirtschaftsleben und Verkehr müssen unbedingt aufrecht erhalten werden, damit die Volksregierung unter allen Umständen gesichert wird.“

Friedrich Ebert, 9. November:
„Mitbürger! Ich bitte euch alle dringend: Verlasst die Straßen!“

Die rote Fahne“, 10. November:
„,Die rote Fahne‘ (Organ der Spartakusrichtung) schickt ihren ersten und heißesten Gruß der föderativen sozialistischen Sowjetrepublik und bittet sie, unseren russischen Brüdern kundzutun, dass die Berliner Arbeiterschaft den ersten Jahrestag der russischen Revolution gefeiert hat durch die Vollbringung der deutschen Revolution.“

Flugblatt der Spartakusgruppe vom 10. November:
„Arbeiter und Soldaten! Jetzt, da die Stunde des Handelns gekommen ist,darf es kein Zurück mehr geben. Die gleichen,Sozialisten‘, die vier Jahre lang der Regierung Zuhälterdienste geleistet haben, die in den vergangenen Wochen von Tag zu Tag Euch vertröstet haben mit der „Volksregierung“, mit der Parlamentarisierung und anderem Plunder, sie setzen jetzt alles daran, um Euren Kampf zu schwächen, um die Bewegung abzuwiegeln.“

Karl Liebknecht, Dezember 1918:
Rätesystem heißt Diktatur des Proletariats, heißt alle Macht in den Händen des Proletariats zur Durchführung der sozialen Revolution, der sozialistischen Gesellschaftsordnung. Nationalversammlung heißt Wiederherstellung des bürgerlichen Parlamentarismus, Wiedereinsetzung der Klassenherrschaft, Erdrosselung der sozialen Revolution.“

Friedrich Ebert, Dezember 1918:
„Das Herum- und Hineinregieren der Arbeiter-und-Soldaten-Räte im Lande muss aufhören.“

Aus dem Programm des Spartakusbundes, „Rote Fahne“ vom 14. Dezember:
„Auf, Proletarier, zum Kampf! Es gilt eine Welt zu erobern und gegen eine Welt anzukämpfen. In diesem letzten Klassenkampf der Weltgeschichte um die höchsten Ziele der Menschheit gilt dem Feinde das Wort: Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust!“


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Die rote Fahne«, UZ vom 16. November 2018





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.