In breiten Bündnissen auftreten

Von Thomas Matthes, Eschborn
|    Ausgabe vom 2. November 2018

So sehr ich Lucas Zeise auch lange vor seiner Zeit als UZ-Chefredakteur schätzen gelernt habe, so sehr schreit für mich seine Kolumne in der UZ vom 26. 10. zur AfD im Rahmen seiner Ausführungen zur EU-Frage nach Widerspruch. (…)
Was will uns der Autor der Kolumne denn damit sagen, wenn er schreibt „Für Linke ist es deshalb nicht besonders klug, vor der hessischen Landtagswahl in Hessen und anderswo Demos unter dem Motto ‚Wir sind mehr’ und ‚Unteilbar’ zu organisieren? Ist es nur ein Vorwurf falscher Wahl des Mottos, der Strategie oder falscher Taktik – da im Zusammenhang mit der Landtagswahl erhoben? Betrifft es die „Linke“ als Partei oder Linke insgesamt, mithin nicht zuletzt uns als Kommunisten auch selbst? So richtig klar wird dies nicht.
Ich bekenne mich aber eindeutig zu denjenigen, die mit vorbereitet oder teilgenommen haben an entsprechenden Aktionen, ob sie nun „Wir sind mehr“ oder bei uns „Eschborn bunt und vielfältig“ heißen mögen. Diese haben sich gegen eine Partei mit nach oben offener Nazi-Skala gerichtet, die insofern etwas Neues darstellt, als sie auf den Straßen – zumindest in einigen Bundesländern –, nicht zuletzt aber nach den Wahlergebnissen durchaus eine erhebliche Gefahr darstellt.
Und da ist es gut und richtig, mit Sozialdemokraten, Grünen, bei uns auch vielen sehr bürgerlichen Menschen (…) gegen diese Truppe aufzutreten. Nicht nur für hiesige Sozialdemokraten oder Grüne war es jedenfalls kein Problem, auch mit Kommunisten gegen eine faschistoide Partei aufzutreten.
Dies entspricht aus meiner Sicht nicht nur unseren Traditionen, sondern insbesondere auch unseren aus der Geschichte gewachsenen Erkenntnissen. Was daran unklug ist, erschließt sich mir nicht. Selbst wenn man die Aussage von Lucas aber auf die Linke als Partei und deren Wahltaktik beschränkte, wäre sie übrigens falsch, zumal dort ja durchaus die Frage stand, nach der Wahl (d. h. bereits zum Zeitpunkt der hoffentlich erfolgten Veröffentlichung dieses Briefes) eine Koalition mit Grünen und Sozialdemokraten einzugehen, auch wenn insofern die Bezeichnung „Rot-Rot-Grün“ eine Vergewaltigung der Farbenlehre darstellt. Ob eine solche Koalition klug ist, mag lange diskutiert werden. Klug ist aus meiner Sicht in jedem Fall, in sehr breiten Bündnissen immer und überall gegen neofaschistische Gefahren aufzutreten.


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