100 Jahre Novemberrevolution

Die Unvollendete

Berliner Initiative zur Novemberrevolution will Erinnerung wach halten
Von Peter Wegner
|    Ausgabe vom 2. November 2018

Zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution werden eine ganze Reihe von Veranstaltungen stattfinden. Die Ereignisse dieser Revolution sind jedoch weitgehend aus dem öffentlichen Diskurs der Bundesrepublik verdrängt worden.
Zu Unrecht, wie die Koordination „Unvollendete Revolution 1918“ in Berlin meint. Das Scheitern der Revolution führte zur Konstituierung der ersten parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Das Frauenwahlrecht gehörte zu ihren Errungenschaften genauso wie die verfassungsmäßige Anerkennung der Gewerkschaften und die betriebliche Mitbestimmung durch Betriebsräte. Doch die Forderungen der Revolution nach Entmilitarisierung, Sozialisierung und Demokratisierung gingen darüber hinaus und sind auch heute noch aktuell.
Damit dies alles bei den offiziellen Feierlichkeiten nicht völlig untergeht, hat sich Anfang des Jahres ein Arbeitskreis aus Gewerkschaftern, Antifaschisten, Gedenkinitiativen und Einzelpersonen zusammengeschlossen, eine Erklärung veröffentlicht, die auch in der „jungen Welt“ abgedruckt wurde, ein informatives Büchlein herausgegeben, unter anderem mit dem Aufruf der Vollversammlung der Arbeiter- und- Soldaten-Räte vom 10.11.1918: „An das werktätige Volk!“, einer Chronologie zu 1918/19 und zu vergessenen Orten der Revolution in Berlin sowie eine Kundgebung vorbereitet, die am Vorabend des Jahrestages der Revolution am 8. November 2018, 17 Uhr am Brandenburger Tor auf dem Pariser Platz, auf der unter anderem die ver.di Gewerkschafterin Doris Heinemann-Brooks, der Politikwissenschaftler Bodo Zeuner und der Schauspieler Rolf Becker reden werden.
Es gibt in Berlin Orte, an denen die Revolutionäre kämpften, und Orte, wo sie ermordet wurden. Die Koordination setzt sich dafür ein, verlorene Erinnerung zu wecken und dauerhaft wach zu halten und fordert Gedenk- und Lernorte, die an alle erinnern, die für die Revolution kämpften und für sie starben. Im Besonderen setzt sich die Koordination für die Erinnerung an Erich Habersaath ein, einen Führer der Berliner Jugendbewegung und jungen Arbeiter, das erste Opfer der Konterrevolution am 9. November 1918 in Berlin. Die seit Oktober 1996 verschwundene Gedenktafel für Erich Habersaath soll an ihren alten Platz zurückkehren. Sie wurde 1973 am Stadion der Weltjugend in der Chausseestraße angebracht, dem Platz der ehemaligen Kaserne, in deren Kasernenhof Erich Habersaath erschossen wurde.


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Leserbrief zu Artikel »Die Unvollendete«, UZ vom 2. November 2018





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