Verdacht bestätigt

Beschäftigte bei der US-Army waren gefährlichen Substanzen ausgesetzt
Von Werner Sarbok
|    Ausgabe vom 26. Oktober 2018

Bei der Reinigung von Elektroverteilern in den Tower Barracks in Dülmen waren die betroffenen Kollegen einem Staub ausgesetzt, der zu fast 30 Prozent aus krebserregendem Cadmium bestand. Rechnet man die anderen Schwermetalle wie Nickel, Zink und Chrom hinzu, ergibt sich ein dramatisches Bild, erklärte Ortwin Swiderski, Vorsitzender des DGB Dülmen.
Der Dülmener DGB hatte dem Gelsenkirchener Institut für Umwelthygiene und Toxikologie eine Probe des weißen Staubes für eine Analyse übergeben, um das bisher unbekannte Material untersuchen und auf Schadstoffe für den Menschen prüfen zu lassen (UZ berichtete).
Der Gesundheitsschutz wurde hier massiv unterlaufen, die Arbeitsbedingungen stellten eine große Gefahr für die Gesundheit der betroffenen Arbeitnehmer dar, kommentiert Ortwin Swiderski und stellt fest, dass die US-Streitkräfte gegen geltende deutsche Arbeitsschutz-Richtlinien verstoßen haben. Bis heute haben sich die US-Streitkräfte nicht bei den betroffenen Arbeitnehmern entschuldigt, entsprechende Ausgleichszahlungen sind nicht angeboten worden.
Verärgert sei die Gewerkschaft auch, weil diese Probe aus Mitteln von vier Organisationen bezahlt werden musste. Die mehreren hundert Euro haben der DGB, die Friedensfreunde Dülmen, die Partei Bündnis 90/Grüne und die Partei „Die Linke“ aus Dülmen zusammengelegt. Der DGB hätte erwartet, dass die Stadt Dülmen oder die Bezirksregierung in Münster Proben gezogen hätten und diese dann ausgewertet hätten. Der Vertreter der Bezirksregierung habe auf einer Pressekonferenz ausgeführt, er erkläre die erhöhten Blutwerte mit aktivem Rauchen.
Am 23. Oktober sollte das Amtsgericht in Coesfeld über die Klage eines betroffenen Kollegen entscheiden. Unmittelbar im Vorfeld dieses Termins schlossen jedoch die beiden Parteien einen außergerichtlichen Vergleich, über den Stillschweigen vereinbart worden ist.
Der DGB Dülmen äußert seine Verwunderung, dass jetzt 15 US-amerikanische Militärpolizisten auf den Stützpunkt Tower Barracks geschickt werden. Warum und aus welchem Grund, fragt sich der DGB. Eine Erklärung gibt es bis heute nicht zu diesem Vorgehen. Unterm Strich bedeutet dieses jetzt, auf jeden zivilen Beschäftigten kommen zwei Militärpolizisten.
Vielleicht soll durch dieses Vorgehen sichergestellt werden, dass keine Proben mehr den Stützpunkt Tower Barracks verlassen sollen, vermutet der Dülmener DGB-Vorsitzende. Die militärische Anlage und die Geräte wurden und werden durch eine Sicherheitsfirma überwacht.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Verdacht bestätigt«, UZ vom 26. Oktober 2018





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.