Herzlichen Dank

Der 8. Spieltag der Fußball-Bundesliga
Von Karl Rehnagel
|    Ausgabe vom 26. Oktober 2018

Dass ich doch wieder schreibe, ist folgenden Ursachen anzukreiden: Erstens einem sehr schmeichelhaften Leserbrief eines gewissen Hans-Helmut (dem andere folgten). Und zweitens der Diskrepanz zwischen romantischen online-Datings und der darauf folgenden Realität – ich hoffe, ich muss das hier nicht weiter ausführen. Nein? Herzlichen Dank.
Dem Spieltag voraus lief die Muppet-Show, Entschuldigung, die Pressekonferenz des „wichtigsten Vereins in Deutschland“ (Steuerhinterzieher Uli Hoeneß), also Bayern München. Etwas Absurderes hat es seit Monty Pythons „Der Sinn des Lebens“ nicht mehr gegeben. Der FC Bayern möchte die „faktische Berichterstattung“ abschaffen und beruft sich (ausgerechnet!) auf Artikel 1 des Grundgesetzes. Ich muss neidlos zugeben, die Antwort der „taz“ war grandios: sie druckten einfach den FC Bayern auf Platz eins der Tabelle, trotz vier Punkten Rückstand auf den BVB. Da kann der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge seine „Unterlassungserklärungen per Gerichtsbeschluss“ in der Schublade lassen, hier liegt ja keine „respektlose Berichterstattung“ vor, die der FC Bayern „nicht weiter akzeptieren“ will. Bayern, ganz ehrlich? Ich habe sehr lange nicht mehr so gelacht. Herzlichen Dank.
Die schöne M., U., der Mann ohne Zähne, und meine Wenigkeit hatten also vor dem Spiel des BVB genug zu kichern. Die Begegnung unseres Clubs lief dann anders als die vorherigen. Nach 25 Minuten hieß es gegen völlig überforderte Stuttgarter bereits 3:0 (Sancho, Reus und der unglaubliche Alcacer), das Spiel war gelaufen. Die schöne M. ließ derweil einmal mehr den Besitzer des Ladens auf ihrem Schoß sitzen und unterhielt sich mit ihm über die möglichen Motorjachten, die er sich für seinen Zweitwohnsitz auf Malle zulegen wollte. Da kann ich nicht mithalten und verbringe meine Zeit mit U., dem nach jedem Satz ein Hustenanfall entfleucht, dass man den Notarzt holen möchte. Alles in allem mehr so ein mittelprächtiger Nachmittag. Herzlichen Dank.
Die Liga an sich ist bunter denn je. Frankfurt schießt Düsseldorf weg (7:1, davon fünf Tore von Luka Jovic!), Bremen gewinnt in Gelsenkirchen (0:2) und überholt die Bayern, Mönchengladbach fertigt Mainz ab (4:0) und rückt auf Platz zwei der Tabelle vor und Hannover holt einen Punkt in Leverkusen, bei denen Trainer Herrlich bedenklich wackelt. Ebenso wie der Schalker Tedesco, der mit einem gellenden Pfeifkonzert aus der Turnhalle geschickt wurde. Mit sechs Pünktchen aus acht Spielen und Platz 16 kein Wunder. Ich kann dazu logischerweise nur kundtun: Herzlichen Dank.
Ich selber hatte mal wieder hauptsächlich Mumpitz getippt. Aber Mirza aus Syrien hat in der Tipprunde tatsächlich alle, also wirklich alle Spiele in der Tendenz richtig und mich mit Anlauf überholt. Jetzt nehmen uns die Flüchtlinge auch noch die Tippspiele weg, würde der gemeine deutsche Wutbürger krakeelen. Ich halte es da eher mit Franz Beckenbauer: „Erfolg ist ein scheues Reh. Der Wind muss stimmen, die Witterung, die Sterne und der Mond.“ Und die Scheine im Portemonnaie, möchte ich hinzufügen. Zumindest wenn sich die Diskussion um Motorjachten dreht. Na, herzlichen Dank.


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Leserbrief zu Artikel »Herzlichen Dank«, UZ vom 26. Oktober 2018





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