Nur Staub

|    Ausgabe vom 28. September 2018
Die Dürre in Australien hat Stau- und Badeseen in Schlammpfützen verwandelt. (Foto: [url=https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Drought_Swimming_Hole.JPG]Peripitus[/url])
Die Dürre in Australien hat Stau- und Badeseen in Schlammpfützen verwandelt. (Foto: Peripitus / Lizenz: CC BY-SA 3.0)

In Australien herrscht Dürre. Das sind nicht gerade Neuigkeiten, oder? Nachrichten und Talk-Shows, die dieses Thema in Australien diskutieren, erinnern eigentlich nur an das, was die Leute seit Jahren wissen. Die Medien haben jedoch in einer Hinsicht recht: Die Situation ist ernst. Die Stauseen auf ländlichen Grundstücken – selbst die Bäche, die durch sie fließen – und die Wasser für Vieh liefern, versiegen. Der Stausee auf meinem Grundstück ist jetzt nur noch eine fast leere Schlammpfütze.
Heu ist überall sehr knapp. Unser üblicher Lieferant hat keines auf Lager und, schlimmer noch, hat auch keines mehr. Was bedeutet, dass seine Kunden kein Futter haben und er kein Einkommen hat. Unser alternativer Lieferant, ein lokaler Großhändler, ist bestrebt, Heu aus Tasmanien zu importieren. Selbst wenn er es bekommt, beschränkt er die Kunden auf jeweils eine Ration. Die reicht kaum für Hobby-Bauern mit ein paar Pferden, ist aber völlig nutzlos für echte Bauern, die versuchen, ihre Herden am Leben zu halten.
Und um auf den Eigenanbau einzugehen: Der Boden ist in vielen Bereichen hart gebacken. Man kann graben und wird kein bisschen Feuchtigkeit finden: nur Staub.
Die Dürre ist endlich auch ein Thema für die Stadtbewohner, die Reaktionen sind ermutigend. Es gibt öffentliche Aufrufe, Heu für diejenigen zu kaufen, die kein Futter für ihre Farmen haben. Grundschulen in New South Wales veranstalten Fundraising-Events, Supermarktketten sammeln Spenden an ihren Kassen.
Aber selbst wenn wohlhabende Geschäftsleute spenden, ist das keine angemessene Antwort auf diese Krise. Wir brauchen eine koordinierte Reaktion der Regierungen von Bund und Ländern mit einem doppelten Ziel: Erstens um allen, die auf dem Land arbeiten zu helfen – und nicht nur den Großgrundbesitzern oder jenen, deren Investitionen in die Landwirtschaft nicht so profitabel sind wie sie bisher waren. Zweitens, um die Landwirtschaft von der Anarchie der Privatwirtschaft zu befreien. Wir brauchen gesellschaftliche Kontrolle, mit einer Zusammenlegung der Ländereien, so dass Skaleneffekte angewendet werden können und die Menschen, die auf ihnen leben, zusammen die besten Ergebnisse erzielen.
Australien war schon immer – jedenfalls in modernen Zeiten – der trockenste Kontinent der Erde. Und dennoch importierten wir fröhlich die Anbaumethoden Europas, des feuchtesten Kontinents der Erde. Die Ruinen aus Lehm- und Steingehöften, die überall im Outback von New South Wales, South Australia und Western Australia verstreut sind, zeugen von den enttäuschten Hoffnungen der Siedler, die dazu ermutigt wurden, kleine Betriebe zu übernehmen, um schließlich durch die gnadenlose Härte des Klimas zerstört zu werden.
Die Landwirtschaft in Australien wurde schon immer unter dem System der „freien Unternehmerschaft“ durchgeführt. Insbesondere an der Ostküste gab es einen Überfluss an Ackerland. Diejenigen, die am frühesten ankamen, nahmen sich riesige Gebiete. Sie „hockten“ einfach auf Bauernhöfen von der Größe europäischer Fürstentümer.
Diese scheinbare Fülle an Land trug dazu bei, die sogenannte Kleinbauernmentalität zu fördern („das ist mein Land“). Ihre Farmen mochten groß sein, aber sie waren nicht bevölkert. Weit davon entfernt: Sie waren alle in Privatbesitz und arbeiteten mit so wenigen Angestellten wie möglich. Es war eine einsame, unnatürliche Existenz.
Weideflächen, die einem einzelnen Viehhalter gehören, Tausende von Hektar Land bedecken – oder sogar so groß sein können, dass sie in Quadratmeilen gemessen werden müssten –, können nicht von einer Person bewirtschaftet werden.
In Zeiten der Dürre wird der chaotische Charakter der kapitalistischen Landwirtschaft deutlich. Bauern, die in Armut leben, verlassen ihre Grundstücke oder müssen verkaufen. So kann die Lebensmittelversorgung einer Gesellschaft oder die Versorgung mit Rohstoffen für Kleidung nicht organisiert werden. Die kapitalistische Produktionsweise erlaubt keine organisierte Bekämpfung der Dürre.
Nur durch die Kombination des Wissens und der Ressourcen derjenigen, die das Land bearbeiten, können Wissenschaftler, Industrie und Staat eine nationale Katastrophe wie die Dürren in einer Zeit der globalen Erderwärmung wirksam bekämpfen.
Anstatt jedem einzelnen Landwirt nahezulegen, er solle seine eigene Rettung bewerkstelligen, müssen Lösungen für die Landwirtschaft als Ganzes gefunden werden. Nur eine Gesellschaft, die sich nicht ausschließlich damit beschäftigt, Quellen privaten Profits unter Ausschluss aller anderen zu suchen, kann dies erreichen. Wir können jetzt damit anfangen, auch wenn eine vollständige Lösung außer Reichweite bleibt, solange wir den Sozialismus nicht als solche anerkennen.


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Leserbrief zu Artikel »Nur Staub«, UZ vom 28. September 2018





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