Wer ist der Osten?

Von Thea Rann, per E-Mail
|    Ausgabe vom 21. September 2018

Dem Beitrag kann ich nur bedingt zustimmen.
Es entsteht der Eindruck, dass es allgemein einen Aufschwung und blühende Landschaften nach der DDR-Vereinnahmung gegeben habe, nur nicht in Kleinstädten, die nicht so attraktiv seien. „Eigene Abstiegsängste, Perspektivlosigkeit mit Armutserscheinungen und einem Gefühl von Überfremdung. Was darin wahrgenommen wird, wirkt zwar meistens eingeredet, bringt aber Meinungen hervor, die reaktionären Konzepten Vorschub leisten.“ Das könnte auch in jeder bürgerlichen Presse Eingang finden. Aber was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist die Feststellung: „… dass es hier früher einmal besser war.“ Deswegen könnte „der Osten mit dieser Erinnerung, schon eine andere Welt erlebt zu haben, die Nase vorn haben – wenn er sich dazu bekennt.“
Welche andere Welt gab es denn? Es war doch der erste bisher einzige Versuch in Deutschland, Voraussetzungen für eine Welt ohne Ausbeutung, Krieg und Reaktion zu schaffen, nämlich eine sozialistische Gesellschaft.
Und wer ist denn der Osten, der sich zu was bekennen soll? Sind es die Konzerne, die sich ungehemmt breit gemacht haben? Ist es die Partei „Die Linke“, die leider durch eine Reihe von Vertretern im Bundestag die DDR auch als Unrechtstaat verunglimpft, in Landesparlamenten Privatisierungen von ehemals kommunalen Wohnungskomplexen gemeinsam mit CDU oder SPD beschließt oder Abschiebungen von Flüchtlingen keinen Widerstand entgegensetzt?
Es kommt heute darauf an, den Gegner – das Kapital und seine Parteien – zu benennen und zu versuchen, sie in Bewegung zu bringen.


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