Blumen für Stukenbrock 2018

Jugendliche organisierten „Antifa Workcamp“
Von Gerhard Ziegler
|    Ausgabe vom 7. September 2018

Anke Unger, DGB-Regionsgeschäftsführerin in Ostwestfalen-Lippe, der Schiffsoffizier eines zivilen Rettungsbootes aus dem Mittelmeer und eine Sprecherin der SDAJ aus dem Jugend-Camp hielten bewegende Redebeiträge auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock. Der Gewerkschaftschor Herford trug eindrucksvolle Friedenslieder von Wader und Jewtuschenko in deutscher und russischer Sprache vor.

 

Die kleine Stadt Schloß Holte Stukenbrock bei Bielefeld ist sicherlich nicht der erste Ort, an den man denkt, wenn man über das „Dritte Reich“ spricht. Dabei stand dort eins der größten Arbeitslager Ostwestfalens. In das sogenannte „Stalag 326 (VI K) Senne“ verschleppten die Nationalsozialisten zwischen 1941 und 1945 etwa 300 000 Menschen. Die meisten dieser Gefangenen waren russische Kriegsgefangene und Kommunisten. Zu Tausenden wurden sie dazu gezwungen, sich in der Landwirtschaft und der Industrie des Ruhrgebiets zu Tode zu arbeiten.
Diejenigen, die die Arbeit überlebten, litten unter den miserablen Bedingungen im Stalag selbst. Man geht heute von 65 000 Leichen aus, die in 36 Massengräbern in einfachen Schlammgruben vergraben wurden. Nach der Befreiung des Lagers am 2. April 1945 verließen die ausgehungerten, dehydrierten Überlebenden allerdings das Lager nicht tatenlos. Sie errichteten einen Ehrenfriedhof, stellten Gräber und Gedenksteine für die wenigen Toten, deren Namen man kannte, auf und errichteten einen etwa zehn Meter hohen Obelisken.
Diese Mahnung droht allerdings zu verhallen. Die Hinterbliebenen erhielten erste Entschädigungen erst vor wenigen Jahren, die lokale CDU ersetzte bald die rote Fahne an der Spitze des Obelisken durch ein orthodoxes Kreuz, und auch Angriffe von Faschisten auf den Friedhof blieben nicht aus. Die Geschichte des Lagers ist nicht vorbei und der Widerstand ist gerade jetzt notwendig. Aus diesem Grund organisiert die SDAJ jährlich parallel zu der Gedenkveranstaltung des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“ das „Antifa Workcamp“ direkt vor dem Gelände. Auch dieses Jahr kamen am 1. September über 50 Jugendliche nach Stukenbrock, um zusammen die Veranstaltung zu schützen, zu gedenken und selbst Aktivität zu diesem Thema zu entfalten. Bei dem selbstverwalteten Camp gab es daher Workshops zu Themen wie dem Zusammenhang von Schulstress und dem Rechtsruck oder dem neuen Polizeigesetz, einen Liederabend und vor allem viel Austausch zur politischen Aktivität in ganz NRW.


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