Das splash!-Festival 2018

Eine politische Sicht auf Deutschland wichtigstes Hip-Hop-Event
Von Lukas Bahn
|    Ausgabe vom 3. August 2018
Das splash!-Festival zog 30 000 Besucher an (Foto: Lukas Bahn)
Das splash!-Festival zog 30 000 Besucher an (Foto: Lukas Bahn)

Was Wacken für Heavy-Metal ist, ist das splash!-Festival für Hip-Hop. Das bereits zum 21. Mal stattfindende Festival lockte dieses Jahr über 30 000 Besucher auf das Gelände der Ferropolis bei Dessau, um einen Querschnitt der vor allem deutschsprachigen Hip-Hop- bzw. Rap-Szene zu feiern.
Neben Macho-Gehabe wie z. B. aus der Feder des Rappers Gzuz („Ey, was hast du gedacht? / Noch vor paar Jahren hab‘ ich gar nix gehabt / Alles geklappt, ja, ich hab es geschafft / Ey, was hast du gedacht? / Bringst deine Alte zu nem Live-Konzert mit / Und danach bläst sie unterm Beifahrersitz“) und Klamauk des Österreichers Yung Hurn („Baby wenn du willst, dann werd ich Opernsänger / Nur für dich und deine Eltern / Wenn ihr wollt, kommts vorbei in die Oper / Ich hab noch paar Karten umsonst da / Lalalalalalalalala / Figaro, Figaro, lalala“), wurden auf dem splash! auch eine Reihe von linkspolitischen Texten und Ansagen gebracht.
Die „Antilopen Gang“ kommentiert mit dem Track „Beate Zschäpe hört U2“ Rechtsradikalismus, angefangen von konkreter Verfolgung durch Nazis („In jeder Stadt gibt es ein paar elendige Nazis / Die versuchen ihren Gegnern das Leben schwerzumachen / Ich kenn das Gefühl, wenn ständig vor der Tür / Kameraden auf dich warten und dich terrorisieren“), bis hin zu neueren Entwicklungen wie der Unterwanderung der Friedensbewegung („Die Nazis von heute sind friedensbewegt“) und Verschwörungstheoretikern („Zu Verschwörungstheorien gehören Vernichtungsfantasien / Sie können sagen was sie wollen, sie sind schlicht Antisemiten / All die Pseudo-Gesellschaftskritiker / Die Elsässer, KenFM-Weltverbesserer / Nichts als Hetzer in deutscher Tradition / Die den Holocaust nicht leugnen, sie deuten ihn um“). Daneben ist noch das Duo „Zugezogen Maskulin“ zu nennen, die mit dem Album „Alle gegen Alle“ (dessen Cover u. a. ein Bild von Marx ziert) die fehlende Solidarität und Entfremdung in der Gesellschaft thematisieren („In der Uni wird ein Proll seziert / Studenten, sie sind irritiert / Er riecht nach Bier und Schweiß / Er riecht ganz anders als ich / Er ist uns fremd / Wie er da frierend lag im Weg / Mit seinem Doppelprivileg / Sicher wählt er AfD”). Der Track „Oranienplatz“ greift die Flüchtlingsthematik auf („Dies ist ein goldenes Land, mach nichts schmutzig / Fass hier nichts an! / Man sollte weltweit alle Hände amputieren / Wir haben viel zu viel, um euch was abzugeben!“). Das Lied „Endlich wieder Krieg“, die sarkastische Umkehrung des Kollwitzschen Schwurs, stellt sich gegen die Militarisierung der Gesellschaft („Mein Vater schaut Die Brücke, in sein‘ Augen stehen Trän‘ / Mein Trommelfell spielt Marschlieder, kann ihn nich‘ verstehn“) und die Kriegsrhetorik während der Fußball-WM („Jeder Schuss ein Treffer! / Kämpfen und Siegen, ich trommel auf der Wampe“).
Neben diesen beiden deutlich politischen Gruppen beziehen auch andere Künstler Stellung. Der Rapper Chefket wirkte bei der Kompilation „Bundeswehr raus aus den Schulen!“ der Linksjugend mit und performte auf dem splash! den dazugehörigen Song „Made in Germany“: „Die Wahrheit ist nicht zu fassen, wir verkaufen Waffen / Um Arbeitsplätze zu schaffen / Panzer- und Gewehreexport über sieben Meere / Nägel für Särge / Reden von Werten die verfalln“. Ferner gab es von anderen Rappern zahlreiche Spitzen gegen die AfD („Scheiß auf die AfD, die Hurensöhne“) und andere Hetzer (Schieß auf alle Faschos, eingeschlossen Thilo Sarrazin”), die aber von den entsprechenden Künstlern in keinen größeren Zusammenhang eingebettet wurden.
Was bleibt ist der Eindruck eines komplizierten Genres, das mit zahlreichen Problemen zu kämpfen hat. Der Echo-Skandal, die geringe Quote von Frauen auf dem splash! und zweifelhafte Texte sind die negative Seite eines Genres, das viele rückschrittliche Denkmuster bedient. Die politischen Inhalte hingegen zeigen, dass die wohl größte Subkultur in Deutschland großes politisches Potential bietet und durchaus eine wichtige Plattform für politische Stellungnahmen sein kann.


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