Krankenschwestern im Streik

Neuseeland: Militärflugzeuge statt Lohnerhöhung
Von Morning Star/UZ
|    Ausgabe vom 20. Juli 2018

In Neuseeland nahmen vergangene Woche Tausende von Pflegekräften am ersten landesweiten Streik von Beschäftigten im Gesundheitswesen seit über drei Jahrzehnten teil.
Im ganzen Land gab es Streikposten vor Krankenhäusern. Fast 30 000 Pflegekräfte sollen laut Angaben der britischen Tageszeitung „Morning Star“ am 24-Stunden-Streik teilgenommen haben, zu dem die „New Zealand Nurses Organization“ (NZNO) aufgerufen hatte. Die NZNO warnte, dass das Personal „überlastet und unterbezahlt sei“ und die „Arbeitsbedingungen zu Burnout und Erschöpfung führen“.
Hunderte von Terminen wurden wegen der Arbeitskämpfe abgesagt, und es wurde gewarnt, dass Krankenhäuser gefährlich unterbesetzt seien und die Sicherheit der Patienten gefährdet sei.
Die NZNO sagte, dass Pflegekräfte das Gesundheitssystem durch unbezahlte Überstunden aufrecht erhielten. Der akute Personalmangel verschärfe die Situation zusätzlich, da viele Beschäftigte nach Australien und in andere Länder gingen, weil sie dort besser bezahlt würden.
Die Pflegekräfte stehen im Streit mit der neuseeländischen Labour-Regierung, die Lohnerhöhungen zwischen 12,5 und 15,9 Prozent innerhalb von 15 Monaten angeboten hat. Der amtierende Stellvertretende Premierminister Winston Peters sagte, die Regierung sei „sehr, sehr enttäuscht“ darüber, dass das letzte Angebot an die NZNO abgelehnt wurde. Er machte die Vorgänger-Regierung dafür verantwortlich, dass neun Jahre lang der Gesundheitssektor vernachlässigt worden sei. Peters sagte, dass er, obwohl er mit den Pflegekräften sympathisiere, es sich nicht leisten könne, ihnen eine größere Lohnerhöhung zu geben. „Es ist nicht so, dass wir nicht wollen. Wir haben das Geld nicht“, behauptete er.
Die NZNO-Sprecherin Cee Payne wies Peters‘ Behauptung zurück und wies auf den Kauf von vier Militärflugzeugen hin, die 2,34 Milliarden NZ-Dollar kosten. Das Geld für die nötige Lohnerhöhung sei schon vorhanden, wenn die Regierung nur drei statt vier Flugzeuge bestelle, so Payne.
93 Prozent der Pflegekräfte in Neuseeland sind Frauen. Die Gewerkschaft wies darauf hin, dass dies ein wesentlicher Faktor dafür sei, warum die Löhne in diesem Sektor hinter der allgemeinen Lohnentwicklung zurückbleiben. Payne sagte vor Streikposten im Wellingtoner Krankenhaus: „Ich denke, dass dies heute ein wichtiger Augenblick ist für die Pflegekräfte.“ Sie machten durch ihre Streiks und Demonstrationen ein bisher scheinbar unsichtbares Problem, dass die letzten 10 Jahren nicht angepackt worden sei, endlich sichtbar: „Es geht um Sicherheit und Personalausstattung in unseren Krankenhäusern und um die Verzweiflung, die sie empfinden, wenn sie die für sie so wichtige Patientenversorgung nicht erbringen können.“
Einer der Leiter der neuseeländischen Gesundheitsbehörde, Dr. John Tait, schätzt, dass etwa 6 000 bis 8 000 Behandlungen durch den Streik komplett ausgefallen sind. „Wir sollten die Auswirkungen dieses Streiks wirklich nicht unterschätzen“, sagte er.


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