Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 1. Juni 2018

Eine amerikanische Stimme
Philip Roth, einer der bekanntesten US-Schriftsteller, ist gestorben. Eine Menge Romane und Erzählungen hat er im Laufe seines langen Lebens geschrieben, erwähnt sei „Der menschliche Makel“ oder „Amerikanisches Idyll“. Als der scheue Mann 85 Jahre alt wurde, im März dieses Jahres, brach er sein Schweigen und bezeichnete den amtierenden Präsidenten Donald Trump als die Katastrophe des 21. Jahrhunderts, die entwürdigendste Katas­trophe der USA. Trump sei, so Roth, ein großer Betrüger, die üble Summe all seiner Unzulänglichkeiten. Es war das schneidende Urteil eines Literaten, der Zeit seines Lebens niemals Rücksicht genommen hatte. Nicht auf sich, nicht auf die Charaktere seiner Bücher. Seine Interpretation der eigenen Arbeit ist die eines Künstlers: „Ich plane meine Geschichten nicht, sondern lasse mich beim Schreiben Zeile für Zeile von der Story überraschen. Sagen wir es so: Ich ‚entdecke‘ schreibend die Geschichte. Natürlich kann ein Schriftsteller das reale Leben als Steinbruch benutzen, und den kann man wirklich unendlich ausbeuten. Aber wenn man dann eine Geschichte erzählt, ist sie nicht die Kopie der Realität.“ Soviel zur manchmal lächerlichen Debatte über Widerspiegelung und Realismus.

Rassismus als Dauerthema
Ausgerechnet das Hygiene-Museum in Dresden widmet dem Thema „Rassismus“ eine Ausstellung. Das hat mit der Geschichte des Hauses zu tun. Die Rassentheorie Felix von Luschans und anderer Wissenschaftler legte den Grundstein für diesen Teil der Ideologie der deutschen Faschisten. Und bei deren Verbreitung spielte das Hygiene-Museum eine unrühmliche Rolle. Dessen Wurzeln verortet die Ausstellung in der Gegenaufklärung. Damals entstand ein ganzer Forschungszweig, der sich mit der menschenverachtenden Theorie der Rassen beschäftigte. Leider wird die politische und ökonomische Interessenlage des Kolonialismus, der modernen Sklaverei und Unterdrückung, nicht oder höchstens unzureichend mit dem Rassismus dargestellt. Auch wenn die Schau vor allem in die Vergangenheit schaut, blickt sie dank kleiner Installationen auch in die Gegenwart. Für die Ausstellungsmacher war die Entstehung der Ausstellung ein wichtiger Lernprozess. An dessen Ende eine schlichte Erkenntnis steht: „Auch ich habe eine Hautfarbe. Ich bin weiß“. Die Beschreibung trifft auch auf die meisten Dresdner und Sachsen zu, die im Hygiene-Museum die Mehrheit der fast 285 000 jährlichen Besucher ausmachen. Selbst nach dem Zuzug von Flüchtlingen ist der Migrationsanteil in Dresden gering, die Ängste dafür umso größer.

Immer viel Geld wert
Ein Manuskript von Franz Kafka (1883–1924) ist am Samstag in Hamburg für 150 000 Euro versteigert worden. Es ist die handgeschriebene Einleitung zu einem Romanprojekt von Kafka und seinem Freund Max Brod. Die beiden Autoren hätten im Jahr 1911 gemeinsam einen Roman mit dem Titel „Richard und Samuel“ schreiben wollen. Inhalt sollte eine gemeinsame Reise der beiden Hauptfiguren, die autobiographische Züge haben sollten, durch die Schweiz und Norditalien sein. Das Projekt sei an unseren „unterschiedlichen Arbeitsweisen“ gescheitert, so die spätere Erkenntnis der beiden. Es ist die erste Versteigerung einer Kafka-Handschrift seit 1988 gewesen, als das Manuskript des Romans „Der Prozess“ unter den Hammer kam. Das Mindestgebot für die sechs beschriebenen Seiten war mit 90 000 Euro angegeben worden. Den Zuschlag erhielt nach Informationen des NDR-“Hamburg Journals“ eine private Sammlung. Der Nachlass von Kafka liegt in Israel, nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten. Für Literaturwissenschaftler aus aller Welt, die von den Handschriften ausgehen wollen, weiterhin mit Bürokratie und Bevormundung verbunden.


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Leserbrief zu Artikel »Kultursplitter«, UZ vom 1. Juni 2018





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