Im Laufrad der Ausbeutung

Resolution des DGB-Bundeskongresses: Solidarität mit Beschäftigten und Betriebsräten von Deliveroo
Von Herbert Schedlbauer
|    Ausgabe vom 25. Mai 2018

Prekär im Job der Fahrerinnen und Fahrer, ob Deliveroo oder Foodora, ist normal. Arbeits- und Kommunikationsmittel müssen selber angeschafft werden. In Köln wurden 140 Beschäftigte bei Deliveroo rausgeschmissen, weil sie vor einem Jahr einen Betriebsrat gegründet haben. Inzwischen ist auch der zuletzt verbliebene Betriebsrat Orry Mittenmayer ohne Job (siehe Interview mit Mittenmayer in der UZ vom 11.5.), denn alle Arbeitsverträge beim Lieferdienst Deliveroo waren befristet. Alles möglich unter der Gesetzgebung der Politik. Geburtshelfer war Norbert Blüm, fortgesetzt unter Gerhard Schröder mit der Agenda 2010, anschließend unter der alten und auch wieder der aktuellen Groko.
Mit Standing Ovations haben die Delegierten des 21. DGB-Bundeskongresses Orry Mittenmayer und Sarah Jochmann, die ebenfalls für Deliveroo lieferte, begrüßt. Der DGB beschloss einstimmig eine Resolution gegen den Lieferanten Deliveroo. Dieser hat den meisten Beschäftigten nach Auslaufen der befristeten Arbeitsverträge eine Soli-Selbstständigkeit angeboten. Gab es mit der Befristung schon keine Absicherung und Zukunftsplanung, so verlieren sie jetzt die letzten Rechte und sozialen Absicherungen. Die Geschäftsführung wird aufgefordert, die Arbeitsverträge von Beschäftigten und Betriebsräten zu entfristen. Zweifelhafte Selbstständigenarbeit wird verurteilt: „Allen Beschäftigten müssen Arbeitsverträge angeboten werden“, so die Forderung der Delegierten auf dem Kongress. Neben der solidarischen Unterstützung gewährt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Rechtsschutz.
Der Arbeitsalltag ist schon jetzt durchdigitalisiert. Vorgaben und Steuerung werden bereits durch Unternehmer-Apps gemacht. Gearbeitet wird ohne Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, ohne bezahlten Urlaub, ohne Planungssicherheit des Einkommens und ohne soziale Absicherung.


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