Die Opfer des VfL

Lars Mörking zur Aktion „Gegen Rechts“
|    Ausgabe vom 6. April 2018

Der VfL Osnabrück wird derzeit ein bisschen gefeiert. Nein, nicht wegen seiner sportlichen Leistungen – Tabellenplatz 17 in der dritten Liga und ein Ausscheiden im Niedersachsenpokal gegen den SV Drochtersen-Assel geben da keinen Anlass –, sondern wegen seiner Aktivitäten gegen Rechts. Eine gewisse Beatrix von Storch (AfD) hatte sich klagend in die gewohnte Opfer-Rolle begeben, sich über die „Honks“ vom VfL echauffiert und gefragt, wann denn der Verein mal etwas gegen Links tue. Der Verein nahm es sportlich, wertete die Kritik von Rechts als Kompliment und bot von Storch ein VfL-T-Shirt mit dem Schriftzug „Gegen Rechts“ an, signiert vom gesamten, multikulturellen Kader des VfL Osnabrück.
Dass der VfL nicht nur Image-Pflege betreiben will, sondern auch bereit ist zu polarisieren, ist den Fans des Vereins zu verdanken. Sie haben in den letzten Monaten durch Aktionen im Fanblock unter anderem auf einen VfL-Sponsor aufmerksam gemacht, der rechte Hetze im Internet verbreitet. Die Vereinsführung war lange Zeit nicht bereit, sich diesem Problem zu stellen. Auch die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete nicht darüber. Beides hat sich nun geändert, der Sponsorenvertrag soll nicht verlängert werden. Vor dem Heimspiel gegen Hansa Rostock am Karsamstag traten Vereins- und Fanvertreter zudem gemeinsam auf, und lasen eine Stellungnahme vor, die sich gegen Vorurteile, Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus, Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass, Gewalt und Homophobie richtet. Neben zahlreichen positiven Reaktionen melden sich nun auch diejenigen, die fordern, der Verein solle sich aus der Politik raushalten. Fußball sei eben Fußball und Politik habe dort nichts verloren.
Den Fußball frei von Politik zu halten ist eine alte Forderung derer, die Affenlaute machen und mit Bananen schmeißen, wenn schwarze Spieler am Ball sind. Sie wollen im Block nicht dafür angemacht werden, wenn sie den Schiedsrichter als schwul oder den gegnerischen Trainer als Juden bezeichnen. Beim VfL Osnabrück funktioniert das nicht mehr, im Fanblock schon lange nicht, auf den VIP-Sitzen jetzt hoffentlich auch nicht mehr.


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Leserbrief zu Artikel »Die Opfer des VfL«, UZ vom 6. April 2018





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