Rassist unter den Sponsoren

„Nazis raus aus der Ostkurve“ – Eine Fußball-Veranstaltung der VVN Osnabrück
Von lmö
|    Ausgabe vom 23. März 2018

Nein, es gibt derzeit kein Problem mit offen auftretenden Nazis unter den Fans des VFL Osnabrück, dies wurde an diesem Abend deutlich. Dass die Fankurve des Vereins weitgehend Nazi-freie Zone ist, ist engagierten VFL-Fans (Ultras) zu verdanken, die in- und außerhalb des Stadions entschlossen gegen Rassismus auftreten.
Das war nicht immer so. Noch Ende der 1990er hatte der VFL ein großes Problem mit Nazi-Skins. Sie entschieden mitunter darüber, wer zur Ostkurve dazugehörte und wer nicht – die Ostkurve ist eine reine Stehplatztribüne mit dem Fanblock des VfL, Gästefans haben keinen Zutritt. Referent Andrés Irurre schilderte, wie er sich gezwungen sah, auf die Nordtribüne auszuweichen, weil ihm und anderen Prügel angedroht wurden. Auch vor dem Stadion gab es keine Ruhe: Irurre berichtete unter anderem von einem Angriff durch Nazis aus Osnabrück und Braunschweig. Um Rassismus und Gewalt in und vor dem Stadion ein Ende zu setzen, mussten die Nazis erst dauerhaft aus der Ostkurve vertrieben werden.
In der Diskussion kritisierten Teilnehmer die Berichterstattung der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Sie macht angebliche „Fan-Gewalt“ und das Auftreten der Ultras regelmäßig zum Thema ihrer Sportseiten (zuletzt beim Spiel gegen SV Meppen). Bei einem Problem hält sich die Zeitung auffallend zurück: Ein Rechtsanwalt und VFL-Sponsor, der in der Vergangenheit auch für das VFL-Präsidium kandidierte, verbreitet laut Veranstaltungsteilnehmern rassistische Propaganda über seinen Facebook-Account, darunter Inhalte der „Identitären Bewegung“. Die NOZ hatte dem Rechtsanwalt sogar ein Forum geboten, um seine Gesinnung zu relativieren (siehe: „Ich stehe zu meiner Vergangenheit“ NOZ vom 14.11.2009).
Darauf angesprochen, äußerte sich der anwesende Kollege der NOZ-Sport­redaktion zurückhaltend. Die Frage stand im Raum, wie das VFL-Präsidium glaubwürdig für Toleranz und gegen Rassismus werben könne, wenn man gleichzeitig mit den Rassisten auf den für Sponsoren bereit gehaltenen Business-Seats auf ein Glas Champagner anstoße.


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