„Verkauf“ der HSH Nordbank

Bei Hamburg und Schleswig-Holstein bleiben die Milliardenverluste
Von Lucas Zeise
|    Ausgabe vom 9. März 2018
 (Foto: HSK Nordbank)
(Foto: HSK Nordbank)

Die HSH Nordbank ist so gut wie verkauft. Das behaupteten die Landesväter Hamburgs und Schleswig-Holsteins Olaf Scholz (SPD) und Daniel Günther (CDU). Es ist der 28. Februar. Bis zu diesem Tag müsse die gemeinsame Landesbank der beiden Bundesländer verkauft sein, hatte die EU-Kommission verfügt. Nun ist es (fast) soweit. Die Käufer sind gefunden: Es sind der US-Hedge-Fonds Cerberus und der US-Bürger Christopher Flowers, der bereits seit einigen Jahren als wichtiger Aktionär die HSH in den langen Untergang begleitet hat. Nur noch Details müssten verhandelt werden, behaupteten die beiden Landesväter und nannten sogar einen Kaufpreis. Eine Milliarde Euro sollen die Käufer zahlen. Allerdings geht dafür nicht die ganze Landesbank an die US-Käufer. Die Quelle der Verluste, das riesige Portfolio halbfauler und fauler Kredite bleibt bei den Bundesländern. Sie hatten ja auch die Garantien übernommen. Wie hoch die Belastungen für die beiden Staatshaushalte am Ende sein werden, wurde nicht bekannt. Das ist von den Regierungen der beiden Länder auch nicht zu verlangen. Schließlich haben sie das Problem der Landesbank von Vorgängerregierungen ererbt. Die in solchen Fällen gern zitierten „Experten“ rechnen mit einer Gesamtbelastung für die beiden Staatshaushalte von 11 bis 18 Mrd. Euro.
Dass Bundesländer Banken ihr eigen nennen, hat den Eigentümern der privaten Banken wegen der lästigen Konkurrenz noch nie gefallen. Die EU-Kommission hält dementsprechend seit dem Maastricht-Vertrag (1992) öffentliches Eigentum an Banken oder Unternehmen für nicht marktwirtschaftlich und deshalb abzuschaffen.
Die HSH Nordbank entstand 2003 durch die Fusion der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein. Anfangs war die HSH Nordbank eine Landesbank wie viele andere auch – man finanzierte politisch erwünschte lokale Projekte und überwies Jahr für Jahr die Dividende in zweistelliger Millionenhöhe an die beiden beteiligten Bundesländer. Doch dies reichte dem damaligen CDU-Ministerpräsidenten Carstensen und seinem Hamburger Kollegen von Beust (ebenfalls CDU) nicht. Sie wollten einen feschen hochprofitablen Finanzakteur, der den EU-Wünschen gemäß später mit Milliardengewinn an die Börse gebracht werden sollte. Sie holten sich den bereits erwähnten Christopher Flowers, einen ehemaligen Goldman-Sachs-Partner, der 2006 mit einem von ihm geführten Konsortium für 1,25 Mrd. Euro 26 Prozent der HSH Nordbank übernahm. Binnen zwei Jahren wurde aus der Provinzbank de facto ein Hedge-Fonds mit angeschlossener Regionalbank. In den Bilanzen befanden sich nun „strukturierte Wertpapiere“ im „Wert“ von 23 Mrd. Euro und ein sagenhaftes Portfolio im Volumen von 33 Mrd. Euro aus dem Bereich „Schiffsfinanzierung“.
Die HSH Nordbank wurde wie so viele ein Opfer der 2007 ausgebrochenen Finanzkrise. Sie hatte allerdings nicht in die berüchtigten, aus US-Hypotheken zusammengestellten Kreditpakete investiert sondern Schiffskredite vergeben und sie über von ihr selbst betriebene Fonds finanziert. Das Geschäftsmodell basierte darauf, dass sich die Bank kurzfristigen Kredit am Geldmarkt unter Banken besorgen konnte, um langfristige Investitionen zu finanzieren. Als vom 9. August 2007 an die Zinsen am Geldmarkt wegen der plötzlichen Kreditknappheit nach oben schossen, war das Geschäftsmodell im Minus. Auch die ersten Opfer der Finanzkrise, die IKB in Düsseldorf, die Sachsen LB und die britische Bausparkasse Northern Rock, hatte es wegen der steigenden Zinsen am Geldmarkt erwischt.
Tödlich wurde die Sache für die Bank aber nur deswegen, weil das Geschäftsmodell im Selbstverstärkermodus betrieben wurde: die HSH steckte nicht nur von ihr selbst geliehenes Geld in die Schiffe, sondern lieh anderen Investoren Geld, das diese dann auch in die Schiffe stecken konnten. Das geschah über Fonds, die den Zeichnern steuerlich nutzbare Verlustzuweisungen gewährten und Gewinne später versprachen. Auf diese Weise kann man ein ganz schön großes Finanzierungsrad drehen. Die nicht besonders große HSH rühmte sich, der weltweit größte Schifffinanzierer zu sein. Im November 2008 beantragte die HSH bei dem vom Bund eingerichteten Bankenrettungsfonds „Soffin“ eine Liquiditätshilfe in Form von Garantien in Höhe von insgesamt 30 Mrd. Euro. Im Februar 2009 beschlossen Schleswig-Holstein und Hamburg eine Kapitalzufuhr in Höhe von 3 Mrd. Euro und eine „Risikoabschirmung“ in Höhe von 10 Mrd. Euro.


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Leserbrief zu Artikel »„Verkauf“ der HSH Nordbank«, UZ vom 9. März 2018





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