Viele Fronten

Widersprüche in der saudischen Koalition gegen Jemen
Von M. Z.
|    Ausgabe vom 9. Februar 2018

Seit März 2015 kämpft eine militärische Koalition mehrerer Länder der Arabischen Liga im Jemen, angeführt von Saudi-Arabien. Vordergründig geht es darum, den offiziellen Präsidenten Hadi wieder in Amt und Würden einzusetzen und die auch als Huthi bekannten Ansar Allah zu schwächen. Im Hintergrund ist das Ziel, den Einfluss des Iran in der Region zu begrenzen.
In diesem Krieg gibt es viele Fronten. Von al-Qaida und IS, die um Einfluss kämpfen bis zu Unabhängigkeitsbestrebungen im Süden. Und vor allem der Krieg Saudi-Arabiens gegen die Ansar Allah. Die Folge ist eine humanitäre Katastrophe.
Je länger der Krieg andauert, umso größer werden die Widersprüche innerhalb der saudischen Koalition und innerhalb des Golf-Kooperationsrates. Militärstützpunkte, Kontrolle über Verkehrswege, die Förderung unterschiedlicher dschihadistischer Gruppen – es gibt viele Streitpunkte. Nur einer davon waren die Truppen aus dem Sudan, die den Flughafen von Aden unter ihre Kon­trolle bringen wollten.
Im Mai 2017 wurde Aidarous al-Zobaidi vom offiziellen jemenitischen Präsidenten Hadi aus seinem Amt als Gouverneur von Aden entlassen. Damit traten die Differenzen zwischen den Interessen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – die Teil der Militärkoalition sind – und Saudi-Arabien offen zutage. Denn Entlassungsgrund waren „zu enge Kontakte“ des Gouverneurs zu den VAE. Zobaidi gründete den Übergangsrat, eine Organisation, die eine größere Autonomie des Südjemen anstrebt, der bis 1990 ein unabhängiger Staat war. Dieser Übergangsrat wird militärisch von den VAE unterstützt.
Seit die Ansar Allah die Hauptstadt des Jemen, Sanaa, kontrollieren, gilt Aden vorübergehend als Hauptstadt des Präsidenten Hadi. Ende Januar brachen dort heftige Kämpfe aus. Auf der einen Seite kämpften Truppen, die Hadi unterstützen, auf der anderen Seite Unterstützer des Übergangsrats, der versuchte den Notstand auszurufen und die Regierung Hadi abzusetzen. Erneut war die Korruption der Regierung als Grund der Aktion genannt.
38 Menschen wurden in den Kämpfen getötet, mehr als 220 wurden verletzt. Mittlerweile versuchen Saudi-Arabien und die VAE, die Situation zu beruhigen. Beide Staaten entsandten hochrangige Militärexperten, um einen Waffenstillstand zu überwachen. Die jeweiligen Interessen der beiden Staaten wurden zunächst zurückgestellt, um den Krieg gegen die Ansar Allah nicht weiter zu gefährden.
Doch ein weiterer Konfliktherd liegt in der östlichsten Provinz des Jemen, al-Mahra. Die VAE und Saudi-Arabien versuchen in gegenseitiger Konkurrenz ihren Einfluss dort zu verstärken. Damit wird zugleich der an al-Mahra angrenzende Oman bedroht. Oman hat gute Beziehungen zum Iran und ist damit wie Katar dem Risiko von saudischen Sanktionen ausgesetzt.
Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den VAE wechseln zwischen Zusammenarbeit und tödlicher Konkurrenz. Und die saudische Politik schwankt wohl auch zwischen Ausweitung und Ausstieg aus dem Krieg. 2015 hatte der saudische Thronfolger und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman den Krieg begonnen – im letzten Jahr suchte er den Ausstieg aus dem Krieg, wie geleakte E-Mails zeigen.


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Leserbrief zu Artikel »Viele Fronten«, UZ vom 9. Februar 2018





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