Mit harten Bandagen

Arbeitgeberverband will „Häuserkampf“ unterbinden
Von Lars Mörking
|    Ausgabe vom 12. Januar 2018
Überall in der Republik protestieren Kolleginnen und Kollegen gegen die Arbeitssituation im Gesundheits-und Pflegewesen, wie hier in Kiel im vergangenen Mai (Foto: Ulf Stephan / r-mediabase.eu)
Überall in der Republik protestieren Kolleginnen und Kollegen gegen die Arbeitssituation im Gesundheits-und Pflegewesen, wie hier in Kiel im vergangenen Mai (Foto: Ulf Stephan / r-mediabase.eu)

Als Geiselnahme bezeichnen die ver.di-Kolleginnen den aktuellen Versuch der Arbeitgeber, einen Tarifvertrag Entlastung in den Unikliniken Essen und Düsseldorf zu verhindern. Die „Tarifgemeinschaft deutscher Länder“ (TdL), der Arbeitgeberverband, in dem die beiden Unikliniken organisiert sind, versucht den derzeit stattfindenden Häuserkampf, um eine tarifliche Regelung über die dringend notwendige Einstellung von Personal zu unterbinden. Die TdL droht ver.di mit dem Abbruch der Verhandlungen über die bundesweite Einführung einer Ausbildungsvergütung für schulische Azubis, will nicht mehr über eine Verbesserung der Eingruppierungsordnung verhandeln und sogar eine Million Beschäftigte bundesweit bluten lassen, sollte ver.di weiterhin an den Unikliniken zu Streiks aufrufen. Die Verhandlungen über Gehaltserhöhungen für nicht-verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer hat die TdL bereits unterbrochen, um ver.di zum sofortigen Einlenken zu zwingen.
Warum? Weil sich die Beschäftigten beispielsweise am Uniklinikum Düsseldorf (UKD) in sieben Streiktagen einig gezeigt haben – auch bei den Tochterunternehmen gab es eine hohe Streikbeteiligung – und die Weigerung der UKD-Leitung, mit ver.di über erträgliche Arbeitsbedingungen ernsthaft zu verhandeln, so offenbar nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.
Das Ziel der TdL ist, den Beschäftigten ihr einziges wirkungsvolles Druckmittel zu nehmen – den Streik. Und so versicherten die Leitungen der Unikliniken in Essen und Düsseldorf denn auch umgehend Gesprächsbereitschaft über Schritte zur Entlastung, solange diese nicht in tarifliche Vereinbarungen münden.
Ohne den Druck der Beschäftigten im Nacken zu haben, lässt sich über Dienstvereinbarungen oder Ähnliches aus Sicht der Arbeitgeber gemütlich verhandeln. Ob die Arbeitsbelastung der Beschäftigten in den Bereichen wie Reinigung, Transport, Sicherheitsdienst oder Zentralsterilisation – die sich am UKD an den Streiks beteiligten – für die Arbeitgeber dabei auch eine Rolle spielen würde, ist nach ihren bisherigen Äußerungen zu bezweifeln.
Die streikenden ver.di-Kolleginnen haben es geschafft, die Arbeitssituation im Gesundheitswesen zum bundesweiten Thema zu machen, sie kämpfen auch im Interesse ihrer Patientinnen. ver.di wird auf ihrer Bundesvorstandsitzung am 15. Januar über das weitere Vorgehen beraten. Streikaktionen an den in der TdL organisierten Unikliniken müssen auf Bundesebene abgesegnet werden.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Mit harten Bandagen«, UZ vom 12. Januar 2018





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.